Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Hungertod

Tödliche Nahrungssuche: UN zählt 1.373 getötete Palästinenser

Tödliche Nahrungssuche: UN zählt 1.373 getötete Palästinenser
FOTO: EPA/Mohammed Saber
3 Min. Lesezeit |

Der Hunger treibt sie in den Tod: Während Palästinenser im Gazastreifen verzweifelt nach Nahrung suchen, werden sie zu Opfern tödlicher Gewalt.

UN-Bericht

Seit Ende Mai sind im Gazastreifen mindestens 1.373 Palästinenser getötet worden, während sie nach Nahrungsmitteln suchten. Dies geht aus einer aktuellen Erklärung des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte hervor. Die Vereinten Nationen machen für die meisten dieser Todesfälle die israelische Armee verantwortlich. „Obwohl wir die Präsenz anderer bewaffneter Gruppen in denselben Zonen registrieren, liegen uns keine Hinweise auf deren Beteiligung an diesen Tötungen vor“, heißt es in der Mitteilung.

⇢ Kanadas Premier erkennt Palästina an und rechnet mit Israel ab

Hungersnot-Bedingungen verschärfen die Lage

Die dramatische Situation wird durch die katastrophale Hungerlage im Gazastreifen verschärft. Die Integrated Phase Classification (IPC), ein internationales Expertengremium für Ernährungssicherheit, warnte Ende Juli, dass sich im Gazastreifen „der schlimmste Fall einer Hungersnot gerade abspielt“. Mehr als eine halbe Million Menschen erleben bereits „hungersnot-ähnliche Bedingungen“, während 39 Prozent der Bevölkerung teils mehrere Tage ohne eine einzige Mahlzeit auskommen müssen. Das Famine Review Committee der IPC betont, dass ohne rasche Maßnahmen eine Hungersnot unvermeidlich sei.

⇢ Keine Aushungerung in Gaza“: Netanjahus Realität gegen UN-Berichte

Dramatische Julivorfälle

Besonders dramatisch war die Lage Ende Juli. Allein zwischen dem 30. und 31. Juli wurden laut UN-Angaben 105 Palästinenser getötet und mindestens 680 verletzt. Die Vorfälle ereigneten sich entlang der Hilfskonvoi-Routen in der Region Zikim im Norden des Gazastreifens sowie im Süden bei Khan Yunis.

Weitere Todesfälle wurden nahe Verteilungszentren der Gaza Humanitarian Foundation (GHF) im Zentrum des Küstenstreifens und in Rafah dokumentiert. Von der Gesamtzahl der Opfer kamen 859 Menschen an GHF-Standorten ums Leben – einer von Israel und den USA unterstützten Hilfsorganisation. Weitere 514 Personen starben entlang der Konvoirouten.

Anhaltende Angriffe

Die UN-Behörde kritisiert, dass die israelische Armee ihre Angriffe auf Palästinenser entlang der Hilfsrouten und in der Nähe von GHF-Einrichtungen fortsetzte – trotz ihrer Ankündigung vom 27. Juli, militärische Aktionen zeitweise auszusetzen, um „die humanitäre Versorgung zu verbessern“. Bei den Opfern handelt es sich nach UN-Angaben überwiegend um junge Männer und Jungen.

UN und Human Rights Watch sprechen von fast täglichen tödlichen Vorfällen bei der Nahrungsmittelverteilung seit Ende Mai. Das humanitäre Völkerrecht verbietet ausdrücklich den gezielten Beschuss von Zivilisten. „Das sind nicht nur Zahlen“, betont das UN-Menschenrechtsbüro für das palästinensische Gebiet. Die Behörde unterstreicht, dass keine Informationen vorlägen, die darauf hindeuteten, dass die Getöteten an Kampfhandlungen beteiligt waren oder eine Bedrohung für israelische Sicherheitskräfte oder andere Personen darstellten.

⇢ Hunger-Drama in Gaza: WHO schlägt Alarm – 80 Prozent der Toten Kinder

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen