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Tränen nach WM-Aus: Neymar beendet seine Nationalteam-Karriere

Tränen nach WM-Aus: Neymar beendet seine Nationalteam-Karriere
(FOTO: EPA / WILL OLIVER)
4 Min. Lesezeit |

Tränen, ein Rücktritt und das bitterste Aus seit Jahrzehnten – Brasiliens WM-Traum zerplatzt auf dramatische Weise.

Neymar lag auf dem Rasen und weinte. Im Stadion von East Rutherford, New Jersey, wo Brasilien am 19. Juli nach seinem sechsten WM-Titel greifen wollte, erlebte der Rekordweltmeister stattdessen den nächsten großen Rückschlag. Carlo Ancelotti kniete sich zu Vinícius Junior hinunter, reichte dem am Boden liegenden Stürmer die Hand – ein Bild, das mehr sagte als jede Analyse. Das schlechteste WM-Abschneiden der Selecao seit 36 Jahren hatte seinen emotionalen Tiefpunkt erreicht.

„Natürlich ist jeder tief enttäuscht“, sagte Ancelotti nach dem 1:2 im Achtelfinale gegen Norwegen. Manchmal müsse man eben „mit der Traurigkeit und dem bitteren Geschmack einer Niederlage umgehen“, erklärte der 67-Jährige. „Wir müssen nun neue Ideen finden. Es ist nicht das Ende, es ist der Beginn einer neuen Zeit.“

Neymars Abschied

Diese neue Zeit aber wird ohne Neymar beginnen. Der 34-Jährige erklärte seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft mit knappen, erschöpften Worten: „Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht. Jetzt ist es zu Ende.“ Tief in der Nachspielzeit hatte er per Elfmeter noch seinen 80. Treffer im 130. Länderspiel erzielt – doch da hatte Erling Haaland mit seinem Doppelpack die Entscheidung längst zugunsten Norwegens gefällt.

Dabei hätte der Spielverlauf ein anderer sein können. Bruno Guimaraes scheiterte früh mit einem Foulelfmeter an Norwegens überragendem Keeper Örjan Nyland. Endrick ließ beim Stand von 0:0 in der zweiten Hälfte eine Topchance ungenutzt. Am Ende stand das früheste WM-Aus Brasiliens seit 1990 – herbeigeführt durch die einzige Niederlage des Turniers.

Schon nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Marokko hatte es in der Heimat Kritik gehagelt. Die Selecao steigerte sich zwar in den folgenden Partien, wirkte aber zu keinem Zeitpunkt wie ein ernsthafter Titelanwärter. Auch Ancelottis besonnene, ruhige Führungsarbeit konnte daran nichts ändern. Fünf Champions-League-Titel, Meisterschaften in fünf verschiedenen Ligen – und doch endete seine erste WM als Nationaltrainer ernüchternd.

Dünner Kader

„Wir haben keine spektakuläre WM gespielt, aber eine gute“, resümierte Ancelotti. Der Italiener war als erster ausländischer Cheftrainer in der Geschichte der brasilianischen Nationalmannschaft angetreten – mit dem Auftrag, die nun schon 24 Jahre andauernde Titellosigkeit bei Weltmeisterschaften zu beenden. Ein Ziel, das angesichts des aktuellen Kaders ambitionierter kaum sein könnte.

Denn die Selecao verfügt längst nicht mehr über jene Dichte an Ausnahmespielern, die frühere Generationen ausgezeichnet hat. Vinícius Junior war mit vier Turniertoren der einzige Offensivspieler, der wirklich überzeugte. Raphinha vom FC Barcelona schied bereits nach dem zweiten Gruppenspiel mit einer Oberschenkelverletzung aus.

Neymar, der inzwischen wieder für den FC Santos in seiner brasilianischen Heimat aufläuft, war wegen Wadenproblemen ohnehin kaum eine Stütze – zwei Kurzeinsätze, mehr war nicht drin. Schon seine Nominierung hatte für Diskussionen gesorgt, ist er doch weit entfernt von der Form, die ihn bei Barcelona und Paris Saint-Germain zum Weltklassespieler gemacht hatte. Fast schien es, als säßen Brasiliens größte Stars – die letzten Weltmeister Ronaldo, Ronaldinho, Roberto Carlos oder Kaká – als Zuschauer auf der Tribüne.

„Morgen starten wir neu“, kündigte Ancelotti an. Sein Vertrag wurde erst vor Kurzem bis 2030 verlängert, einige der aktuellen Stammspieler werden diesen Weg nicht mehr mitgehen. PSG-Kapitän Marquinhos bezeichnete den Auftritt seiner Mannschaft als „unerklärlich“ und forderte Konsequenzen: „Wir müssen die Verantwortung dafür übernehmen, damit künftige Generationen darauf aufbauen können.“

Auch Casemiro, zwei Jahre älter als der 32-jährige Abwehrchef, stand nach dem Abpfiff mit Tränen in den Augen da.

Sein Fazit klang wie ein Urteil: „Wir werden für immer jene Generation bleiben, die die WM nicht gewonnen hat.“

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KO KOSMO-Redaktion
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