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Komplikationen

Unterschätzte Gefahr: Stadt Wien warnt vor Schönheitsoperationen

Unterschätzte Gefahr: Stadt Wien warnt vor Schönheitsoperationen
FOTO: Stadt Wien/Markus Wache
3 Min. Lesezeit |

Schön, aber gefährlich: Wien startet eine Aufklärungskampagne gegen verharmloste Risiken von Beauty-Eingriffen. Jährlich bis zu 100.000 Operationen zeigen die Dimension des Problems.

Die Stadt Wien hat eine Aufklärungskampagne gestartet, die vor den unterschätzten Gesundheitsrisiken von Schönheitsoperationen warnt. Entgegen der verharmlosenden Darstellung in der Werbung können selbst kleinere Eingriffe mit Botox oder Hyaluron erhebliche Risiken bergen. Laut einer Mitteilung der Wiener Stadtverwaltung werden in Österreich jährlich zwischen 30.000 und 100.000 ästhetische Eingriffe durchgeführt. Die möglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen und Komplikationen bei minimalinvasiven Verfahren finden dabei zu wenig Beachtung. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) unterstrich: „Niemand sollte solchen Eingriffen zustimmen, ohne sich davor ausreichend zu informieren und die Risiken zu kennen.“

Das österreichische Gesetz schreibt vor ästhetischen Operationen ein ausführliches Aufklärungsgespräch sowie eine verpflichtende zweiwöchige Bedenkzeit vor der Einwilligung vor. Christine Radtke vom Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie betonte die Bedeutung qualifizierter ärztlicher Betreuung: „Es ist wichtig, auf bewährte Methoden zu setzen, denn nur so sind die Langzeitfolgen auf den Körper abschätzbar.“

Medizinische Risiken

Mediziner unterliegen einer gesetzlichen Aufklärungspflicht gegenüber ihren Patienten. Besonders riskant wird es jedoch, wenn unqualifizierte Personen solche Behandlungen durchführen. Nur ausgebildete Ärzte können bei auftretenden Komplikationen wie Gefäßverschlüssen oder schweren allergischen Reaktionen sofort angemessen reagieren.

Die Initiative richtet sich zudem gegen den gesellschaftlichen Schönheitsdruck. Frauenstadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) erklärte: „Der Umgang mit Schönheitsidealen ist ein zentrales Thema für unsere Jugend. Speziell Mädchen und junge Frauen sind hier starken Einflüssen und einem enormen Erwartungsdruck ausgesetzt. Entscheidend ist oft das Selbstbewusstsein, ob man einen modischen Stil entwickelt, der zu einem passt oder ob man uniformierten Idealen nachläuft, die sogar gesundheitsgefährdend werden können.“

Parallel zur Aufklärungskampagne über Schönheitsoperationen arbeitet der Wiener Gesundheitsverbund daran, die medizinische Versorgung in der Stadt insgesamt zu stärken. Durch Kooperationen mit Privatkliniken sollen Wartezeiten bei planbaren Operationen verkürzt werden. Zudem setzt Wien verstärkt auf moderne OP-Roboter, die chirurgische Eingriffe schonender und präziser machen – ein Kontrast zu oft risikobehafteten kosmetischen Verfahren ohne medizinische Notwendigkeit.

Jugendliche betroffen

Die aktuelle Safer-Internet-Studie 2024 verdeutlicht das Ausmaß des Problems: Bereits 28 Prozent der Jugendlichen zwischen elf und 17 Jahren haben über eine Schönheitsoperation nachgedacht. Kristina Hametner, die das Wiener Programm für Frauengesundheit leitet, warnt: „Der Wunsch nach einem Schönheitseingriff wird stark auf Social Media geschürt. Dafür sorgen nicht zuletzt Algorithmen, die mit einseitiger Themenauswahl das Selbstbild Jugendlicher negativ beeinflusst. Doch ästhetische Eingriffe sind kein Lifestyle-Produkt.“

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