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Politik

Verschwinden ganze Schulfächer? Das plant Wiederkehr

Verschwinden ganze Schulfächer? Das plant Wiederkehr
FOTO: Igor Ripak
3 Min. Lesezeit |

Mit einem radikalen „Plan Z“ will Bildungsminister Wiederkehr das Schulsystem umkrempeln. Statt Flüsse auswendig zu lernen, sollen Schüler künftig vier Schlüsselkompetenzen erwerben.

Bildungsminister Wiederkehr übte in einer kürzlich gehaltenen Grundsatzrede scharfe Kritik am österreichischen Bildungssystem. „Schule bereitet nicht aufs Leben vor“, lautete sein ernüchterndes Fazit. Als Gegenentwurf präsentierte der Neos-Politiker den „Plan Z“, wobei der Buchstabe für Zukunft steht. Dieser soll die pädagogischen Konzepte an die Erfordernisse des 21. Jahrhunderts anpassen, erläuterte der Minister.

In der ORF-Sendung „ZIB2“ vertiefte Wiederkehr am Sonntag seine Reformvorstellungen im Gespräch mit Moderator Martin Thur. Er betonte, seine bisherige Amtszeit habe er vorrangig der Problemlösung gewidmet – etwa durch die Einführung eines Handyverbots. Mit seinem „Plan Z“ möchte er nun fundamentalere Fragen angehen und einen Paradigmenwechsel von der reinen Wissensvermittlung hin zur Kompetenzorientierung einleiten.

Der Minister illustrierte seine Kritik am bestehenden System mit einem persönlichen Beispiel. In seiner Schulzeit habe er „40 Flüsse in Europa gelernt“ – ein Wissen, das heute in dieser Form nicht mehr relevant sei. Entscheidend sei vielmehr die Fähigkeit, Faktenwissen anzuwenden und in größere Zusammenhänge einzuordnen. Auf Thurs Nachfrage zur Zukunftsfähigkeit des Lateinunterrichts antwortete Wiederkehr differenziert: Das Fach habe durchaus seine Berechtigung, müsse aber nicht in allen Schulformen verpflichtend sein.

⇢ „Plan Z“: Wiederkehr will Schulsystem komplett umkrempeln

Schlüsselkompetenzen fördern

Zur Frage nach der kompletten Streichung einzelner Unterrichtsfächer wollte sich der Minister nicht festlegen. Zwar plädierte er für eine „tabufreie“ Diskussion, verwies jedoch darauf, dass man erst am Beginn dieses Reformprozesses stehe. Wiederkehr formulierte die zentrale Frage, die das Bildungssystem beantworten müsse: „Was bereitet uns auf das Leben vor? Welche Kompetenzen benötigen wir?“ Aus seiner Sicht seien vor allem vier Schlüsselkompetenzen entscheidend: Kritikfähigkeit, Kommunikationsfähigkeit, Kooperationsfähigkeit und Kreativität. Diese müssten künftig in allen Unterrichtsfächern verankert werden.

Den Vorschlag der Salzburger Landeshauptfrau, die Zuständigkeiten für Gesundheit und Bildung zwischen Bund und Ländern neu zu verteilen, lehnte Wiederkehr entschieden ab. Er kritisierte, dass Kinder dabei zur „Verschubmasse“ degradiert würden. Zudem betonte der Neos-Politiker die Bedeutung von Effizienzsteigerungen im Bildungssystem, die durch eine solche Umverteilung gefährdet wären.

Gegen Föderalismus

Eine föderale Bildungsstruktur würde nach Ansicht des Ministers zu uneinheitlichen Schulformen in den Bundesländern führen. Er verdeutlichte die Problematik am Beispiel einer Kindergartenassistentin aus dem Grenzgebiet zwischen Salzburg und der Steiermark: Arbeitet sie in der Steiermark, darf sie nicht in Salzburg tätig sein – „und das in Zeiten von europäischer Freizügigkeit“.

Wiederkehr sprach sich daher für eine stärkere Zentralisierung aus, die einheitliche Qualitäts-, Mindest- und Ausbildungsstandards gewährleisten würde.

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KO KOSMO-Redaktion
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