Ein Zentimeter zu wenig – und schon landen Hilfsarbeiter in Afghanistan hinter Gittern. Die Taliban machen Ernst.
Rund 20 Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind in Afghanistan von der Sittenpolizei der Taliban festgenommen worden – der Grund: ihre Bärte entsprachen nicht der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlänge. Die Festnahmen erfolgten am Samstag am Grenzübergang Islam Qala, wo mehrere mit den Vereinten Nationen kooperierende Organisationen tätig sind, die Rückkehrer aus dem benachbarten Iran betreuen.
Der Grenzort in der Provinz Herat gilt als zentrales Eingangstor für Tausende Afghanen, die Woche für Woche aus dem Iran in ihre Heimat zurückkehren. Die dort ansässigen Hilfsorganisationen übernehmen die Registrierung der Ankommenden, koordinieren Transporte und leisten Nothilfe für betroffene Familien.
Freilassung mit Auflagen
Nach ihrer Festnahme wurden die Männer in die Region Kohsan überstellt. Ein Teil der Betroffenen kam noch am selben Tag wieder frei, die übrigen wurden einen Tag später entlassen. Das afghanische Ministerium für die Verbreitung der Tugend und die Verhinderung des Lasters ließ eine Stellungnahme zu dem Vorfall aus.
Der Leiter der Sittenpolizei in der Provinz Herat bestritt zwar die Festnahme der Hilfsarbeiter, räumte jedoch ein, dass fünf Regierungsmitarbeiter wegen zu kurzer Bärte angehalten worden seien. Den betroffenen Männern wurde eine Frist von einem Monat eingeräumt, um ausreichend langen Bartwuchs nachzuweisen. Wer dieser Auflage nicht nachkommt, riskiert den Ausschluss vom Grenz- und Aufnahmezentrum Islam Qala.
Verschärfte Kontrollen
Seit ihrer Machtübernahme im Jahr 2021 schreiben die Taliban vor, dass der Bart erwachsener Männer die Länge einer Faust nicht unterschreiten darf. Das harte Vorgehen wegen Verstößen gegen diese Vorschrift fügt sich in eine spürbare Verschärfung der sozialen Kontrolle in der westafghanischen Provinz Herat ein.
In den vergangenen Monaten haben die Behörden die Durchsetzung von Kleidungs- und Verhaltensregeln merklich intensiviert.
Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Frauen und Mädchen wegen angeblicher Verstöße gegen die strengen Bekleidungsvorschriften festgenommen worden sein sollen.