Doppelt so viele junge Wiener kämpfen heute mit finanziellen Engpässen wie noch vor 15 Jahren. Gleichzeitig bleibt fast jeder Zweite ohne Wahlrecht – trotz Lebensmittelpunkt Wien.
Die finanzielle Situation junger Wiener hat sich deutlich verschlechtert, wie eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer belegt. Während 2008 nur 16 Prozent der jungen Bevölkerung angaben, mit ihrem Einkommen nicht oder kaum auszukommen, hat sich dieser Anteil bis 2023 auf 32 Prozent verdoppelt. Auch bei der Wohnsituation zeigt sich eine negative Entwicklung: Fast ein Viertel der Befragten (23 Prozent) bewertet die Preiswürdigkeit ihrer Wohnung als schlecht oder sehr schlecht, während 16 Prozent mit der Wohnungsgröße unzufrieden sind. Im Vergleich dazu lag die Unzufriedenheit in beiden Kategorien 2008 bei lediglich zehn Prozent.
Ein weiteres strukturelles Problem betrifft die demokratische Teilhabe. Von den rund 418.000 Wienern zwischen 16 und 30 Jahren dürfen etwa 185.000 nicht an Wahlen teilnehmen – obwohl viele von ihnen in Wien geboren oder aufgewachsen sind. Dabei zeigen junge Menschen durchaus Interesse an gesellschaftlicher Beteiligung: Fast die Hälfte engagiert sich in verschiedenen Bereichen, sei es in der unmittelbaren Wohnumgebung, in Vereinen, NGOs, Bürgerbeteiligungsprojekten oder politischen Initiativen.
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AK-Forderungen
Angesichts dieser Entwicklungen formuliert die Arbeiterkammer konkrete politische Forderungen. Dazu zählt die zügige Implementierung der EU-Einkommenstransparenzrichtlinie zur Förderung gerechter Entlohnung. Zudem soll die Gründung von Betriebsräten stärker unterstützt und ausreichend Ausbildungsplätze geschaffen werden. Für Personen mit niedrigen Qualifikationen fordert die AK gezielte Weiterbildungsmaßnahmen.
Im Wohnbereich plädiert sie für Sanktionen bei überhöhten Mieten und eine Reform des Mietrechts. Befristete Mietverträge sollten zur Ausnahme werden, und der Zugang zu geförderten Wohnungen für einkommensschwache junge Menschen müsse erleichtert werden.
Staatsbürgerschaft
Bei der Einbürgerung kritisiert die Arbeiterkammer die hohen Verfahrenskosten und Einkommensvoraussetzungen. Der Erwerb der Staatsbürgerschaft dürfe nicht von finanziellen Möglichkeiten abhängen. Darüber hinaus fordert die AK die Einführung politischer Bildung als eigenständiges Unterrichtsfach in allen Schulformen, sowohl in der Unter- als auch in der Oberstufe.
Die Datengrundlage der Studie bilden Interviews mit etwa 1.400 jungen Wienerinnen und Wienern, die bis November 2023 durchgeführt wurden. Ergänzend fanden 2025 Gespräche mit einer Fokusgruppe junger Menschen ohne Wahlrecht zum Thema Mitsprache statt.
Die Erhebung der Arbeiterkammer zeigt, dass rund ein Drittel der 16- bis 30-Jährigen finanziell kaum über die Runden kommt.
Zudem haben 44 Prozent dieser Altersgruppe aufgrund fehlender Staatsbürgerschaft kein Wahlrecht.
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