Ein junger Wiener, ein Terrornetzwerk und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit – ein Fall, der tief in die Mechanismen der Radikalisierung blicken lässt.
Ein 20-jähriger Wiener steht wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vor Gericht. Der in Wien geborene Mann mit kroatischen Wurzeln legt ein vollumfängliches Geständnis ab. Die Anklage wiegt schwer: Er soll im direkten Umfeld von Beran A. agiert haben – jenem IS-Anhänger, der einen Terroranschlag auf Taylor-Swift-Konzerte im Ernst-Happel-Stadion in Wien im August 2024 geplant hatte.
Besonders deutlich wird seine Radikalisierung durch seine Aktivitäten auf Instagram, wo er radikal-islamistische Inhalte verbreitete. Der Staatsanwalt warnt eindringlich vor der Dynamik solcher Entwicklungen: „Das ist deshalb so gefährlich, weil Radikalisierungsprozesse genau so beginnen.“
Suche nach Zugehörigkeit
„Mir hat es gefallen, dass ich respektiert und anerkannt werde. Ich wurde auch zum Essen eingeladen“, schildert der Angeklagte dem Richter seine damalige Lage. Nach dem Abschluss der Polytechnischen Schule isoliert und ohne sozialen Rückhalt, fand er in Wien-Meidling in einer Parkgruppe erstmals so etwas wie Zugehörigkeit. „Ich wollte unbedingt Freunde haben.“
Diese Sehnsucht nach Anerkennung führte ihn schließlich in ein Terrornetzwerk, dem auch Beran A. angehörte. Heute distanziert er sich klar davon: „Ich beschäftige mich auch mit keiner Religion mehr.“ Soziale Medien hat er von seinem Mobiltelefon entfernt, öffentliche Verkehrsmittel meidet er wegen psychischer Beschwerden – ein Gutachten attestiert ihm depressive Störungen, Schlafprobleme, Appetitlosigkeit sowie Angst vor größeren Menschenansammlungen.
Bedingtes Urteil
Sein offenes Geständnis wirkt sich spürbar auf das Strafmaß aus: Das Gericht verurteilt ihn zu einem Jahr bedingt bei drei Jahren Probezeit und ordnet eine verpflichtende Therapie an. Seine Verteidigerin Ina-Christin Stiglitz erklärt: „Er möchte sein Leben in den Griff bekommen.“
Das Urteil ist rechtskräftig.