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Pflegenotstand

Zwölf-Stunden-Schicht ohne Pause – Patient stirbt in Panik

Zwölf-Stunden-Schicht ohne Pause – Patient stirbt in Panik
(istockfoto: Altenpflege)
3 Min. Lesezeit |

Ein sterbender Patient, keine Pause, kein Arzt – und am nächsten Morgen beginnt die nächste Zwölf-Stunden-Schicht.

Eine Pflegerin erinnert sich an einen Dienst, der ihr keine Ruhe lässt. Es ist Winter. Mittags sitzt der Mann noch am Tisch, isst mit Unterstützung. Am späten Nachmittag verschlechtert sich sein Zustand rasend schnell. Die Station ist keine Akutstation – ein fest eingeplanter Arzt ist weder nachts noch am Wochenende vor Ort. Der zuständige Turnusarzt ist in der Notaufnahme gebunden, wo laut Schilderung ein „extremer Andrang“ herrscht.

Der Patient gerät in Panik, schreit, schlägt um sich, „versucht uns mit aller Kraft festzuhalten – er hat unendlich große Angst“, erzählt die Pflegerin. Er fleht: „Ich kann nicht mehr.“ Die Abendrunde ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ansatzweise erledigt.

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Allein im Sterben

In einem Erfahrungsbericht, der „Heute“ vorliegt, beschreibt die Pflegerin, was sie seither nicht loslässt – und warum die Beschäftigten weiter auf Verbesserungen drängen. „Plötzlich erkenne ich – leider zu spät –, dass der Patient im Sterben liegt“, schreibt sie. „Er schreit, hält mich vor lauter Angst fest, klammert sich an mich.“ Der Mann ließ sie nicht mehr los.

„Ich berühre sein Gesicht, bin ganz nah bei ihm und sage ihm, dass ich da bin. Dass er nicht allein ist. Dass er es gleich geschafft hat.“ Wenige Sekunden später war er tot. Mit dem letzten Atemzug kam ein Schrei – ein Moment, den sie bis dahin nur aus Erzählungen kannte.

Was diese Pflegerin erlebt hat, steht sinnbildlich für die Zustände, die das nicht ärztliche Personal in den oberösterreichischen Ordensspitälern beschreibt. Bereits zweimal legten Beschäftigte die Arbeit nieder. Auslöser sind die stockenden Kollektivvertragsverhandlungen, die zuletzt erneut ohne Ergebnis blieben.

Der zentrale Streitpunkt ist die Arbeitszeit: Die Gewerkschaft vida fordert eine deutliche Entlastung – die ursprüngliche Forderung nach einer 35-Stunden-Woche wurde auf 37 Stunden bis 2028 zurückgenommen. Auch die siebte Verhandlungsrunde scheiterte am Donnerstag.

Überlastung im Alltag

Seit der Coronapandemie läuft auf ihrer Station sogenannte „Fremdbelegung“: Zusätzlich zu den regulären Patientinnen und Patienten werden auch internistische Fälle mitversorgt – je nach Auslastung zwischen zwei und acht Betten. „Auf den internistischen Abteilungen gibt es kaum noch Personal. Niemand möchte dort arbeiten – ich verstehe das“, sagt sie. An jenem Tag sind es acht internistische Patienten auf einer 24-Betten-Station, die durchgehend voll belegt ist und ausschließlich Vierbettzimmer hat.

Nach dem Tod des Mannes läuft der Betrieb weiter – ohne Pause, ohne Innehalten. Betten werden verschoben, ein Zimmer für den Leichnam freigeräumt. Noch am selben Abend stirbt ein weiterer Patient. „Er wird zu der anderen Leiche ins Zimmer gebracht. Keine 20 Minuten nach dem Tod des ersten Patienten ist sein Bett aus der Notaufnahme bereits wieder neu belegt.“

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Zu Hause weint sie – wütend auf das System, wütend über die Würdelosigkeit der Abläufe, wütend auf sich selbst, weil sie es früher hätte erkennen wollen, es aber unter diesen Bedingungen nicht konnte.

Am nächsten Morgen beginnt eine neue Zwölf-Stunden-Schicht.

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KO KOSMO-Redaktion
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