
YU-Rock und ein Stamperl Rakija
Mina geht das Buffet wiederauffüllen. Alle haben volle Teller. Der Karton mit dem Ferkel und der mit dem kalten Lamm ist freilich immer noch halbvoll.
Das schaffen die nie.
Mina kommt zurück und schenkt sich ein kleines Starobrno ein. Ich nehm ein großes.
Die zweite Kellnerin Maja aus Beograd schmust mit ihrem Freund. Es ist etwas weniger hektisch geworden.
Der Computer spielt seit dem Jahreswechsel nur YU-Rock. Die Nummer gerade klingt wie STS, ist aber zehn Jahre älter.
Jelena singt und tanzt mit.
„Wenn’s eine Schweinefleisch-Mafia im Iran gibt, gibt’s dann auch eine Anti-Schweinefleisch-Mafia-Sondereinheit der Polizei“, frage ich Mina.
„Ich weiß es wirklich nicht. Aber das muss ich herausfinden“, sagt Mina und lacht.
Vor mir steht ein Šljivovic. Im Lokal haben sie den kroatischen Badel. Trinkbares Zeug. Eine Runde vom Geburtstagskind Djordje.
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Die Razzia
Ich male mir gerade aus, wie die schwarz maskierten Männer der Anti-Schweinefleisch-Mafia-Sondereinheit der iranischen Polizei nächstens eine Schweinefleisch-Übergabe in einem Hinterhof in Teheran stürmen.
Sturmgewehr im Anschlag. Schusswesten. Vielleicht sogar Blendgranaten. Splittergranaten werden sie keine verwenden. Die könnten die Ladung zerfetzen und alle sind voll Schweineblut. Will auch keiner. Kein Risiko eingehen.
Wie lange haben sie die Lkw-Bewegungen observiert? Ist der Anti-Schweinefleisch-Mafia-Sonderstaatsanwalt informiert vom Zugriff? Brauchen die für sowas einen Durchsuchungsbefehl?
Sind die Mitarbeiter der Schweinefleisch-Mafia schwerbewaffnet? Geben sie leicht auf? Kämpfen sie bis zur letzten Patrone?
Kann der Restaurant-Besitzer, der Käufer der Ware, entkommen?
Und wie ist das, wenn sie ausnahmsweise einen Lebendtransport erwischen? Was machen die dann mit den Tieren?
Mina kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen.
„Du solltest vielleicht ein Drehbuch schreiben“, meint sie.
Da sollte unbedingt rein, dass die iranische Schweinefleisch-Mafia wahrscheinlich eine der stärksten Stützen des Mullah-Regimes ist. Wenn Schwein legal wird, fallen die um ihre Profite um.
Wär ein Gedanke. Nur, heute fange ich nicht mehr an. Es ist vier.
Das Buffet ist immer noch nicht leer.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.