Der Abschied wirkt endgültig, das Lächeln tapfer. Während Novak Djokovic in Madrid vom Publikum Abschied nimmt, verdichten sich die Anzeichen für ein nahes Karriereende.
Mit einem Lächeln im Gesicht verabschiedete sich Novak Djokovic vom Publikum in der Caja Mágica (Madrids Tennisarena). „Adiós“! Steht der erfolgreichste Tennisprofi der Geschichte tatsächlich vor dem endgültigen Karriereende? Sein Abgang aus Madrid wirkte diesmal wie ein finales Lebewohl. Trotz der deutlichen Niederlage verließ der „Djoker“ die Arena erhobenen Hauptes.
Das 3:6, 4:6 gegen den Italiener Matteo Arnaldi markiert noch nicht das definitive Ende, doch die von Djokovic selbst beschriebene „neue Realität“ zeichnet ein klares Bild: Der Mann mit dem Rekord an Grand-Slam-Titeln und dem legendären Siegeshunger ist mit knapp 38 Jahren zu einem Spieler geworden, der nur noch selten zur absoluten Höchstform auflaufen kann. „So läuft es eben im Leben und in der Karriere“, konstatierte der Serbe nüchtern.
Auftaktniederlage in Monte Carlo, Auftaktniederlage in Madrid – auf Sand ist selbst ein Djokovic für die Konkurrenz greifbar geworden. Arnaldi gab offen zu, dass er anfangs nur versuchte, „sich nicht in die Hose zu machen“, schließlich stand ihm sein Idol gegenüber. Doch der Respekt schwand schnell, als der Italiener merkte, dass dieser Djokovic nicht mehr jener unbesiegbare Champion seiner Jugenderinnerungen war. „Er ist momentan nicht in Topform, also habe ich alles gegeben, um zu gewinnen“, erklärte Arnaldi.
⇢ Schock: Djokovic deutet Karriereende an – „Meine neue Realität
Mentale Herausforderung
Der leichte Sieg ließ den Italiener fast sprachlos zurück. Djokovic hingegen wirkte gefasst und sprach entspannt über das „völlig andere Gefühl“, nach zwei Jahrzehnten als Champion plötzlich früh auszuscheiden. Allerdings sei es „mental eine Herausforderung“, nicht mehr wochenlang im Turnier zu bleiben, sondern bereits in den Anfangsrunden zu scheitern. „Irgendwann musste es so kommen.“ Dieses Irgendwann ist jetzt – warum also quält sich Novak Djokovic noch durch die Tennistour? Warum nimmt er wie ein alternder Schwergewichtsboxer eine Niederlage nach der anderen hin und tritt dennoch zum nächsten Kampf an?
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In den vergangenen zwölf Monaten sank Djokovics Siegquote auf unter 70 % – ein beträchtlicher Rückgang im Vergleich zu seinem beeindruckenden Karrierewert von etwa 83 %. Während er in den letzten zehn Jahren im Schnitt mindestens vier Titel pro Saison für sich entscheiden konnte, steht er 2025 bisher ohne Turniersieg da.
Grand-Slam-Rekord
Der Traum vom alleinigen Grand-Slam-Rekord treibt den Serben an. 24 Major-Titel hat Djokovic bislang gesammelt – exakt so viele wie die Australierin Margaret Court. Einer mehr soll es noch sein. Djokovic glaubt fest daran, diesen einen Triumph noch erreichen zu können. In Melbourne kam er als Halbfinalist nah dran, doch die Chancen schwinden zusehends.
„Bei den Grand Slams will ich mein bestes Tennis zeigen“, erklärte er in Madrid, „aber ich bin nicht sicher, ob mir das in Roland Garros gelingen wird.“
Die French Open, die am 25. Mai beginnen, könnten daher lediglich eine Zwischenstation werden. Ein frühes Ausscheiden erscheint nicht mehr unwahrscheinlich, ebenso wenig wie ein endgültiger Abschied aus Paris. In Madrid könnte er bereits zum letzten Mal aufgeschlagen haben.
Fachleute bewerten Djokovics Chancen bei den kommenden French Open skeptisch. Die gestiegene Leistungsdichte in der Weltspitze in Kombination mit seinen jüngsten Formschwankungen lässt zwar einen Halbfinaleinzug im Bereich des Möglichen erscheinen, doch ein weiterer Grand-Slam-Triumph gilt inzwischen als zunehmend unwahrscheinlich.
„Das ist möglich. Ich weiß nicht, ob ich zurückkommen werde. Ich bin mir nicht sicher. Natürlich werde ich wiederkommen, aber vielleicht nicht mehr als Spieler“, sagte Djokovic – Worte, die tatsächlich wie der Anfang vom Ende seiner einzigartigen Laufbahn klingen.