**Während Laborfleisch in Europa vor der Zulassung steht, formiert sich in Österreich massiver Widerstand. Doch selbst ein nationales Veto könnte wirkungslos bleiben.**
Burger aus dem Labor statt vom Bauernhof – was in Österreich noch nach Science-Fiction klingt, könnte bald europäische Realität werden. Während die ersten Zulassungsverfahren für kultiviertes Fleisch bei der EU bereits laufen, positioniert sich Österreich entschieden dagegen. Das aus tierischen Zellen im Nährmedium gezüchtete Produkt kommt ohne Schlachtung aus und wird offiziell als „kultiviertes Fleisch“ bezeichnet.
Die Verfechter dieser Technologie sehen darin einen entscheidenden Fortschritt: keine Tierschlachtung, reduzierte CO₂-Emissionen und der Verzicht auf Antibiotika. „Es bietet große Chancen für nachhaltige Jobs“, erklärt Ivo Rzegotta vom Good Food Institute Europe. Die Produktionskosten sind dramatisch gesunken – von einst 250.000 Dollar für einen einzelnen Burger auf mittlerweile geschätzte 5 bis 6 Euro pro Kilogramm, was eine industrielle Herstellung zunehmend realistisch macht.
⇢ Laborfleisch kommt nach Europa – was ihr wissen müsst
Die Bevölkerung bleibt jedoch gespalten. Obwohl eine allgemeine Umfrage 63 Prozent Zustimmung ergab, lehnten in Kärnten 82 Prozent der Befragten Laborfleisch ab. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) formuliert die Grundsatzfrage: „Wir stehen vor der Entscheidung: Natürliches Lebensmittel oder Fabrikfleisch.“ Seine Position ist unmissverständlich – er will kein Laborfleisch auf österreichischen Tellern sehen. Besonders besorgt zeigt er sich um die Existenz der 98.000 tierhaltenden Betriebe im Land, die durch internationale Konzerne bedroht werden könnten. Der heimische Fleischsektor ist mit einem Jahresumsatz von rund 8 Milliarden Euro und etwa 75.000 Arbeitsplätzen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der unter Druck geraten könnte.
Rechtliche Hürden
Ein entscheidender rechtlicher Aspekt bleibt vielen verborgen: Selbst bei einem österreichischen Veto könnte die EU grünes Licht geben. „Nationale Verbote sind EU-rechtlich problematisch“, verdeutlicht Rzegotta. Novel-Food-Zulassungen (Zulassungen für neuartige Lebensmittel) gelten unionsweit – was bedeutet, dass ein in Frankreich zugelassenes Produkt auch in Österreich verkauft werden dürfte, unabhängig von nationalen Bedenken.
Totschnig kämpft zumindest für eine klare Kennzeichnungspflicht, sollte Laborfleisch den Weg in den Handel finden. „Nur was auf der Weide wächst, darf auch Fleisch heißen“, fordert er und verlangt eine unmissverständliche Etikettierung der Laborprodukte.
Innerhalb der EU gehen die Mitgliedsstaaten bereits unterschiedliche Wege: Italien hat im März 2023 als erstes EU-Land ein nationales Verbot für Laborfleisch beschlossen, während die Niederlande die Technologie aktiv fördern und sogar kontrollierte Verkostungen ermöglichen. Das umfangreiche Zulassungsverfahren für neuartige Lebensmittel in der EU dauert mindestens 18 Monate, wobei die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) eine umfassende Sicherheitsprüfung durchführt.
Erste Anträge
Konkrete Anträge liegen bereits vor: Das französische Start-up Gourmey strebt die Markteinführung kultivierter Gänsestopfleber in Europa an und hat einen entsprechenden Antrag bei der EU-Kommission eingereicht. Auch das niederländische Unternehmen Mosa Meat ist aktiv geworden und hat Anfang 2025 ein Produkt zur Prüfung vorgelegt – gezüchtetes Fett aus dem Labor.