Sommerzeit ist Reisezeit – und damit steigt auch das Unfallrisiko für Kinder im Auto. Wer bei der Kindersicherung nachlässig ist, riskiert nicht nur Leben, sondern auch saftige Strafen.
Mangelhafte Kindersicherung im Fahrzeug kann teuer werden – bis zu 10.000 Euro Strafe drohen bei Verstößen. Entscheidend für die Sicherheit der jüngsten Passagiere ist ein alters- und größengerechter Kindersitz. Vor Beginn der Reisesaison klärten Martin Hoffer, Leiter der ÖAMTC Rechtsdienste, und das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) häufige Fragen, die auch als Podcast verfügbar sind. „Ein passender Kindersitz ist unverzichtbar für eine sichere Fahrt“, betont Hoffer. „Eltern sollten sich bei der Auswahl fachkundig beraten lassen. Neben der Gefährdung des Kindes riskieren sie bei Verstößen empfindliche Verwaltungsstrafen bis zu 10.000 Euro und eine Vormerkung im Führerscheinregister.“
Mit dem Beginn der Sommerferien und den damit verbundenen Urlaubsreisen stellen sich Familien zahlreiche praktische Fragen: Dürfen Kinder ab einem bestimmten Alter vorne mitfahren? Wie gestaltet man die Reise mit Kindern möglichst sicher und stressfrei?
⇢ Mutter geht shoppen und lässt Sohn bei 30 Grad im Auto
Besonders in den Sommermonaten erhöht Ablenkung am Steuer das Unfallrisiko für Kinder deutlich. Klaus Robatsch, Leiter der Verkehrssicherheit im KFV, warnt: „Durchschnittlich werden in Österreich 51 Kinder in den Monaten Juli und August als Pkw-Insassen verletzt oder getötet, weil der Fahrer unaufmerksam oder abgelenkt war.“ Daher sei es unerlässlich, alle Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Kinder einzuhalten und jegliche Form von Ablenkung zu vermeiden.
Der richtige Kindersitz: Nach Größe und Norm wählen
In Österreich gilt: Bis zum 14. Lebensjahr oder einer Körpergröße von 1,35 Metern müssen Kinder in speziellen Rückhaltesystemen transportiert werden. Aus Sicherheitsgründen empfiehlt der ÖAMTC jedoch, Kindersitze sogar bis zu einer Körpergröße von 1,50 Metern zu verwenden. Beim Kauf sollten Eltern auf die aktuellen europäischen Sicherheitsstandards achten: entweder ECE R44/04 oder die neuere i-Size-Norm (ECE R129). Die modernere i-Size-Variante bietet einen verbesserten Seitenaufprallschutz und schreibt eine rückwärtsgerichtete Beförderung bis mindestens 15 Monate vor.
Nicht jeder Kindersitz passt in jedes Fahrzeug. „Ein häufiger Fehler ist, dass Eltern den Sitz ohne Probesitzen im eigenen Auto kaufen“, erklärt eine ÖAMTC-Expertin. „Nur wenn Kindersitz und Fahrzeug kompatibel sind und der Einbau korrekt erfolgt, ist optimaler Schutz gewährleistet.“ Beim Einbau können bereits kleine Fehler bei der Gurtführung oder Befestigung die Schutzwirkung erheblich verschlechtern – ein Grund, warum moderne Isofix-Systeme mit direkter Verankerung im Fahrzeug empfohlen werden.
Entspannte Reiseplanung
Für eine entspannte Reise empfiehlt es sich, Kinder vorab über Reisedauer, Ziel und geplante Pausen zu informieren. Etwa alle zwei Stunden sollte eine Pause eingelegt werden, bei Bedarf auch häufiger. Idealerweise startet man frühmorgens mit ausgeruhtem Fahrer – dann ist es kühler und viele Kinder schlafen noch eine Weile.
Für Babys eignen sich leise Musik, beruhigende Geräusche und altersgerechtes Spielzeug. Ältere Kinder beschäftigen sich gut mit Büchern oder Ratespielen. Optimal ist es, wenn ein Elternteil neben den Kindern sitzen kann.
Während der Fahrt sollten ungesüßte Getränke wie Wasser oder Tee angeboten werden, auf kohlensäurehaltige Getränke besser verzichten. Gesunde Snacks wie Äpfel, Karotten oder Vollkornbrote sind zu bevorzugen. Bei Alleinreisenden mit Kind empfiehlt sich das Essen nur während der Pausen, um bei Verschlucken oder Verschütten sofort reagieren zu können.
Hitze und Sicherheit
Gegen Reiseübelkeit hilft es, den Blick in die Ferne zu richten – etwa auf Berge, Windräder oder Kirchtürme, was das Gleichgewichtsorgan unterstützt. Auch auf den Rücksitzen ist Sonnenschutz wichtig, ebenso bei Glasdächern. Die Klimaanlage sollte nicht unter 21 Grad eingestellt und die Lüftung nicht direkt auf Kinder gerichtet werden.
Da sich dunkle Kindersitze schnell aufheizen, empfiehlt sich das Parken im Schatten und Abdecken der Sitze mit hellen Tüchern. Kinder dürfen niemals allein im Auto zurückgelassen werden – selbst nicht kurz und bei geöffneten Fenstern. Bei 30 Grad Außentemperatur steigt die Temperatur im Fahrzeug bereits nach 10 Minuten auf 37 Grad, nach 30 Minuten auf 46 Grad und nach einer Stunde auf 56 Grad. In der Sonne geht dieser Prozess noch schneller.
„Mir ist schlecht“, „mir ist langweilig“, „wann kommen wir endlich an?“ – diese Sätze kennen Eltern auf Urlaubsfahrten nur zu gut. Doch die ständigen Ablenkungen bergen erhebliche Unfallgefahren.
Die Statistik zeigt: In den Urlaubsmonaten Juli und August werden jährlich durchschnittlich 232 Kinder unter 14 Jahren als Pkw-Insassen in Österreich verletzt oder getötet.