Tequila als Gesundheitselixier? Während Spirituosen mit Wellness-Image werben, bleibt die bittere Wahrheit: Jeder Alkohol schadet – egal wie natürlich er vermarktet wird.
Die Wahrheit im Glas
Tequila hat in den letzten Jahren einen bemerkenswerten Imagewandel durchlebt. Was einst als „Partyschnaps“ für hemmungslose Feiern galt, wird heute als nahezu tugendhafte Option an der Bar angepriesen: kalorienarm, zusatzstoffrei und angeblich katerfrei. Doch die Frage bleibt: Gibt es tatsächlich einen gesünderen Alkohol?
Die Antwort ist ernüchternd eindeutig. „Wenn man ein Produkt verkauft, das Menschen nachweislich schadet, wird man selbständig alles unternehmen, um ihm ein ‚heiligeres‘ Image zu verleihen“, erklärt David Jernigan, stellvertretender Dekan für öffentliche Gesundheit an der Boston University. Die meisten Menschen überschätzen dabei maßlos, wie „gesund“ ihre Trinkgewohnheiten tatsächlich sind.
Obwohl hochprozentige Getränke wie Tequila schneller zu Trunkenheit führen können als Bier oder Wein, hängt die Wirkung letztlich von Menge und Trinkgeschwindigkeit ab. Aus chemischer Sicht ist Tequila nicht „stärker“ als andere Spirituosen – ein Standardglas jedes alkoholischen Getränks enthält etwa die gleiche Menge Ethanol, jene Substanz, die den Rausch verursacht.
Der tatsächliche Alkoholspiegel im Blut wird weit mehr durch Faktoren wie Körpergewicht, genetische Veranlagung, Geschlecht, Medikamenteneinnahme und Nahrungsaufnahme beeinflusst als durch die Wahl des Getränks selbst.
Mythos Katerfreiheit
Dunkle Spirituosen wie Whiskey oder Bourbon enthalten zwar mehr Fuselstoffe – Nebenprodukte der Fermentation, die Katersymptome verstärken können – aber kein Alkohol verhindert Kopfschmerzen. Ganz im Gegenteil: Alkohol stört den Schlafrhythmus, entzieht dem Körper Flüssigkeit und belastet die Leber.
Der eigentliche Übeltäter beim Kater ist Acetaldehyd, ein giftiges Abbauprodukt des Alkohols, das Entzündungen, oxidativen Stress und Erschöpfung verursacht. Weniger Zucker bedeutet also keineswegs weniger Folgen.
Tequilas „Wellness“-Image verdankt sich hauptsächlich seiner Herkunft aus der blauen Agave, einer Pflanze, deren natürliche Zucker – sogenannte Agavine – tatsächlich positive Effekte auf die Darmflora haben könnten. Diese Verbindungen überleben jedoch den Fermentations- und Destillationsprozess nicht; sie werden vollständig in Ethanol umgewandelt.
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Ähnlich verhält es sich mit Wein, der wegen seiner Antioxidantien wie Resveratrol einen gesundheitsfördernden Ruf genießt. Die für eine messbare Herzwirkung nötige Menge entspräche jedoch dem Konsum hunderter Gläser. Wie Dr. Brooke Scheller treffend zusammenfasst: „Alkohol bleibt ein Toxin – der Schaden überwiegt bei weitem alle möglichen Vorteile.“
Gesundheitsrisiken bleiben
Wodka, Gin und Tequila werden häufig als „reine“ Getränke vermarktet, weil sie destilliert oder aus natürlichen Zutaten hergestellt werden. Der Begriff „clean“ ist jedoch nicht offiziell definiert und somit letztlich bedeutungslos. Auch wenn diese Getränke möglicherweise weniger Zusatzstoffe enthalten, schädigt das enthaltene Ethanol – unabhängig von seiner Herkunft – weiterhin Leber, Gehirn und Blutkreislauf.
Bier und Wein gelten oft als „sicherer“, weil sie tendenziell langsamer konsumiert werden. Der eigentliche Unterschied liegt jedoch hauptsächlich in der Absorptionsgeschwindigkeit. Sie enthalten mehr Wasser, wodurch der Alkohol langsamer ins Blut gelangt. Kohlensäurehaltige Getränke können die Aufnahme sogar beschleunigen, da sie den Muskelventil zwischen Magen und Dünndarm entspannen.
Gibt es also einen „gesünderen“ Alkohol? Die Weltgesundheitsorganisation verneint dies unmissverständlich. Ein aktueller Bericht aus dem Jahr 2024 belegt, dass selbst mäßiger Konsum – weniger als sieben Getränke pro Woche – das Risiko für diverse Erkrankungen und vorzeitigen Tod erhöht.
Die Art des Alkohols – ob Bier, Wein oder Tequila – macht dabei keinen nennenswerten Unterschied.