Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
Todesfalle

Mindestens 44 Tote nach Hochhaus-Inferno – 279 Menschen vermisst (VIDEOS)

Mindestens 44 Tote nach Hochhaus-Inferno – 279 Menschen vermisst (VIDEOS)
FOTO: EPA/LEUNG MAN HEI
4 Min. Lesezeit |

Flammen verschlingen sieben Hochhäuser in Hongkong, während Bambusgerüste und Styropor zur tödlichen Falle werden. Die Polizei nimmt drei Verantwortliche fest.

Der verheerende Großbrand in einem Hongkonger Wohnkomplex hat mindestens 44 Menschenleben gefordert. Im Stadtteil Tai Po kämpften die Einsatzkräfte die ganze Nacht gegen die Flammen, die in sieben Gebäuden des Wang Fuk Court wüteten. Während Rauchschwaden über den Trümmern aufsteigen, mussten mehr als 900 Menschen in Notunterkünften Zuflucht suchen. Die Behörden meldeten inzwischen drei Festnahmen im Zusammenhang mit dem Unglück.

Am Donnerstagmorgen zeichnet sich das ganze Ausmaß der Katastrophe ab. Fast 900 Feuerwehrleute waren seit dem ersten Alarm am Mittwochnachmittag um 14:51 Uhr im Dauereinsatz. Das Feuer breitete sich mit erschreckender Geschwindigkeit aus und erfasste sieben der acht Wohnblöcke des Komplexes. Dichte Rauchwolken verdunkelten den Himmel über dem Wang Fuk Court, während sich vor den brennenden Gebäuden verzweifelte Szenen abspielten.

Die Opferbilanz ist erschütternd: 40 Menschen starben direkt am Unglücksort, vier weitere erlagen später im Krankenhaus ihren Verletzungen – darunter auch ein Feuerwehrmann. Nach anfänglichen Berichten über 45 kritisch Verletzte korrigierte die Krankenhausbehörde am Morgen ihre Angaben: Von den 29 noch hospitalisierten Patienten schweben sieben in Lebensgefahr. Die Behörden vermelden zudem 279 Vermisste. Diese Zahlen stammen vom Donnerstagmorgen, 8 Uhr Ortszeit (1 Uhr MEZ).

Der betroffene Wohnkomplex ist ein gewaltiges Areal mit acht Hochhäusern, in denen rund 4.600 Menschen in fast 2.000 Wohneinheiten leben. Selbst 16 Stunden nach Ausbruch des Feuers waren die Löscharbeiten noch nicht vollständig abgeschlossen.

Unermüdlicher Rettungseinsatz

Am frühen Donnerstagmorgen gegen 6:30 Uhr hatten die Einsatzkräfte die Brände in vier der sieben betroffenen Gebäude unter Kontrolle gebracht, während in den übrigen drei Blöcken weiterhin gelöscht wurde. Die Rettungsteams begannen ihre Suche nach Vermissten in den unteren Etagen und arbeiten sich nun vom 13. bis zum 23. Stockwerk vor.

Der unermüdliche Kampf der Helfer zeigt erste Erfolge: Videoaufnahmen dokumentieren die Rettung einer älteren Frau, die am Morgen auf einer Trage in Sicherheit gebracht wurde. Auch Haustiere konnten aus dem Inferno gerettet werden. Die Bilder der Verwüstung zeugen von der zerstörerischen Kraft des Feuers, das sich unaufhaltsam durch die Gebäudestruktur fraß.

Die Wohnanlage befand sich seit Juli 2024 in Renovierung und war von Bambusgerüsten mit grünem Netzgewebe umhüllt. Aufnahmen vom Unglücksort zeigen brennende Gerüste und herabstürzende Flammenteile. In der Nähe des Komplexes haben Behörden eine provisorische Notunterkunft eingerichtet, in der verzweifelte Bewohner Schutz suchen.

Verdächtige Brandursache

Sicherheitsminister Chris Tang bezeichnete die rasante Feuerausbreitung als „verdächtig“. Der Feuerwehrchef Andy Yeung Yan-kin berichtete, dass die 888 eingesetzten Kräfte auf brennendes Styropor gestoßen seien, das die Flammenausbreitung beschleunigt habe. Laut Berichten der „South China Morning Post“ waren Fenster mit diesem Material abgedichtet worden.

Während die Regierung beteuert, stets strenge Brandschutzvorschriften für Gerüstmaterialien durchgesetzt zu haben, nahm die Polizei drei Männer wegen Totschlags fest. Es handelt sich um zwei Geschäftsführer und einen Ingenieur des mit der Renovierung beauftragten Bauunternehmens im Alter zwischen 52 und 68 Jahren.

„Die Polizei hat begründeten Verdacht, dass die Verantwortlichen des Unternehmens grob fahrlässig handelten, was den Vorfall auslöste und zur schnellen Feuerausbreitung mit schwerwiegenden Opfern führte“, erklärte Senior Superintendent Eileen Chung Lai-yee.

Gesundheitsminister Lo Chung-mau teilte mit, dass die meisten Opfer an Atemwegsverletzungen durch Rauchgasinhalation leiden und intensivmedizinisch behandelt werden müssen. Einige erlitten zusätzlich Verbrennungen oder Kohlenmonoxidvergiftungen, nachdem sie in geschlossenen Räumen eingeschlossen waren.

Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping sprach den Betroffenen sein Beileid aus und würdigte besonders den „im Dienst verstorbenen Feuerwehrmann“, wie staatliche Medien berichteten.

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen