Österreichs Wirtschaft kommt nicht zur Ruhe: Das dritte Rekordjahr in Folge bei Firmenpleiten belastet den Standort. Besonders der Immobiliensektor steht im Zentrum der Krise.
Im dritten Jahr in Folge verzeichnet Österreich Höchstwerte bei Firmenpleiten. Laut aktuellen Zahlen des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) wurden 2025 insgesamt 4.189 Insolvenzverfahren eröffnet – ein leichter Anstieg von 0,72 Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2024. Rechnet man die mangels Masse abgewiesenen Fälle hinzu, steigt die Gesamtzahl auf 7.156 Unternehmenspleiten, was einem Zuwachs von knapp 8 Prozent entspricht.
Für das laufende Jahr prognostiziert AKV-Leiter Hans Musser nur eine marginale Verbesserung: „Wir erwarten einen leichten, aber keinen drastischen Rückgang – keine echte Erholung.“ Diese Einschätzung basiert auf den Daten des letzten Quartals 2025. Eine tatsächliche Entspannung hänge von der prognostizierten Wirtschaftserholung ab. „Veränderungen der wirtschaftlichen Lage spiegeln sich typischerweise mit sechs bis neun Monaten Verzögerung in den Insolvenzzahlen wider“, erläuterte Musser gegenüber der APA.
Die Statistik zeigt, dass monatlich durchschnittlich 349 Unternehmen in die Insolvenz gingen, wöchentlich waren es 81 Firmen. Von den Pleiten waren direkt 16.252 Arbeitnehmer betroffen. Die Verbindlichkeiten summierten sich auf 11,03 Milliarden Euro – eine beachtliche Summe, obwohl sie im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert wurde.
Branchenspezifische Entwicklung
Die größten Insolvenzen konzentrierten sich erneut auf den Immobiliensektor: Neun der zehn nach Verbindlichkeiten größten Pleiten betrafen Unternehmen aus der Immobilienentwicklung, davon acht aus dem Signa-Konzern von René Benko. Diese Branche verzeichnete auch die höchsten Schuldenstände.
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Branchenspezifisch führt der Handel mit 1.030 Insolvenzen die Statistik an, gefolgt vom Baugewerbe mit 932 und der Gastronomie mit 709 Fällen. Entgegen der Erwartungen blieb die Zahl der Privatkonkurse trotz steigender Arbeitslosigkeit stabil. Mit 8.765 Schuldenregulierungsverfahren lag sie nahezu auf dem Niveau des Vorjahres (2024: 8.712). Im wöchentlichen Durchschnitt wurden 169 Privatinsolvenzverfahren eröffnet.
Regionale Schwerpunkte
In Oberösterreich dominiert die Stiglechner-Gruppe die Insolvenzstatistik. Bei den beiden Gesellschaften werden Forderungen von rund 188 Millionen Euro erwartet, wobei 166 Millionen Euro auf die Julius Stiglechner GmbH entfallen. An zweiter Stelle steht die ESIM Chemicals GmbH mit voraussichtlichen Verbindlichkeiten von etwa 150 Millionen Euro.
Ein ähnliches Volumen weist die Muttergesellschaft ESIM Holdings und Management Services GmbH auf, wobei deren Verbindlichkeiten größtenteils aus konzerninternen Forderungen bestehen. Deren tatsächliche Höhe wird sich erst im Laufe des Verfahrens klären. Weitere bedeutende Insolvenzen des vergangenen Jahres umfassen die Sun Contracting-Gruppe mit Gesamtverbindlichkeiten von etwa 50 Millionen Euro über fünf Verfahren sowie die mglass GmbH mit rund 32 Millionen Euro.
Bemerkenswert ist, dass 2025 kein oberösterreichisches Unternehmen in der österreichweiten Top-10-Liste der größten Insolvenzen erscheint. Die Gesamtverbindlichkeiten in Oberösterreich beliefen sich im Vorjahr auf 972 Millionen Euro, was einem Rückgang von 62 Prozent im Jahresvergleich entspricht. Diese deutliche Verbesserung erklärt sich durch das Fehlen einer Großinsolvenz wie jener des KTM-Konzerns, die Anfang Dezember 2024 eröffnet wurde.
Bei den Privatinsolvenzen verzeichnete Oberösterreich eine nahezu stabile Entwicklung mit einem geringfügigen Anstieg von 1.410 auf 1.445 Fälle – ein Plus von lediglich 35 Verfahren.