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Energiestrategie

Zwischen EU-Ausstieg und Balkan-Realpolitik: Ungarns Energiepakt mit Serbien

Zwischen EU-Ausstieg und Balkan-Realpolitik: Ungarns Energiepakt mit Serbien
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3 Min. Lesezeit |

Während die EU russische Energieimporte reduzieren will, geht Ungarn den entgegengesetzten Weg: Der Staatskonzern MOL steht vor einer Beteiligung am sanktionierten serbischen Energieriesen NIS.

Ungarn setzt seine energiepolitische Strategie unbeirrt fort und verhandelt über einen bedeutenden Einstieg in den serbischen Energiemarkt. Der ungarische Staatskonzern MOL steht kurz vor einem Abkommen mit Gazprom Neft über eine Beteiligung am serbischen Öl- und Gaskonzern NIS. Bemerkenswert daran: Gazprom Neft, die Öl-Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom, unterliegt seit 2022 westlichen Sanktionen.

Nach Reuters-Informationen könnte eine erste Vereinbarung zwischen MOL und Gazprom Neft in Kürze unterzeichnet werden. Ungarns Außen- und Handelsminister Peter Szijjarto erklärte vergangene Woche, dass nach der Unterzeichnung eine Genehmigung aus Washington erforderlich sei. Dies liegt an der internationalen Geschäftstätigkeit von MOL, die auf US-Dollar-Transaktionen und den Zugang zu amerikanischen Finanzdienstleistungen angewiesen ist – ohne grünes Licht aus den USA wäre das Vorhaben kaum realisierbar.

Die Europäische Union bleibt in dieser Angelegenheit weitgehend außen vor. Da Serbien kein EU-Mitglied ist und Ungarn jenen südlichen Zweig der Druschba-Pipeline nutzt, der vom EU-Ölembargo ausgenommen wurde, bewegt sich Budapest im rechtlichen Rahmen. Genau an diesen Versorgungskorridor möchte die ungarische Regierung nun Serbien anschließen.

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Szijjarto betonte, dass ein MOL-Einstieg bei NIS die Energiesicherheit in der mitteleuropäischen Region stärken würde.

Energiepolitischer Gegenpol

Diese Initiative reiht sich nahtlos in Ungarns langjährige energiepolitische Ausrichtung ein. Bereits jetzt fließt russisches Gas über die TurkStream-Pipeline in erheblichen Mengen nach Ungarn und Serbien. Nun überträgt Budapest dieses Konzept auf den Ölsektor. Während Deutschland nach dem Ausfall von Nord Stream und der faktischen Einstellung der Druschba-Lieferungen nach Schwedt neue Wege suchen muss, positioniert sich Ungarn zunehmend als energiepolitischer Gegenpol.

Parallel dazu verfolgen Ungarn, Serbien und Russland ein weiteres Projekt außerhalb des direkten EU-Einflusses. Im Jänner 2025 vereinbarten die drei Länder den Bau einer neuen Ölpipeline zwischen Budapest und Belgrad. Die Bauarbeiten sollen 2026 beginnen, die Inbetriebnahme ist für 2027 geplant. Die etwa 128 Kilometer lange Leitung würde Serbien erstmals direkten Zugang zur südlichen Druschba-Route verschaffen.

Der angestrebte Deal würde vor allem die Energieinfrastruktur und Versorgungssituation in Südosteuropa verändern. Mit einer Beteiligung an NIS erhielte MOL direkten Einfluss auf die Raffinerie in Pancevo, weite Teile des serbischen Tankstellennetzes und zentrale Speicheranlagen – und damit erhebliche Kontrolle über Angebot und Preisgestaltung im Land.

Strategische Kontrolle

Durch diese Transaktion könnte der ungarische Konzern die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohöl bis zur Zapfsäule stärker kontrollieren – und zwar außerhalb der unmittelbaren EU-Aufsicht. Gleichzeitig bliebe Russland über Gazprom Neft beteiligt, ohne neue Verträge abschließen oder politische Konflikte riskieren zu müssen.

Brüssel könnte diese Entwicklung nur durch eine vollständige Aufhebung der Pipeline-Ausnahme für russisches Rohöl unterbinden. Vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ist dies jedoch nicht gelungen. Ungarn nutzt diesen Spielraum gezielt aus – juristisch konform, aber politisch eindeutig im Widerspruch zur Ausstiegsstrategie der EU. In Brüssel wird der Vorgang bislang lediglich registriert; formelle Einwände gegen das Vorhaben gibt es derzeit nicht.

Der geplante Deal verdeutlicht die pragmatische Energiepolitik in Südosteuropa: Sie vollzieht sich nicht über Gipfeltreffen oder moralische Appelle, sondern durch strategische Beteiligungen, Infrastrukturentwicklung und Kontrolle über Versorgungswege. Während die EU den vollständigen Ausstieg aus russischen Energieimporten anstrebt,

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gestalten Ungarn und Serbien ihre Energieversorgung nach eigenen Vorstellungen.

Und nach eigenen Regeln.

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KO KOSMO-Redaktion
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