In Minneapolis nahm die US-Einwanderungsbehörde ICE (Immigration and Customs Enforcement) einen fünfjährigen Jungen zusammen mit seinem Vater fest, als diese von der Vorschule nach Hause kamen. Schulvertreter berichteten gegenüber US-Medien, dass beide am Dienstag in ihrer Hauseinfahrt in Gewahrsam genommen wurden.
Nach Angaben von Zena Stenvik, Superintendantin des zuständigen Schulbezirks im Vorort von Minneapolis, wurde der Junge aus dem noch laufenden Fahrzeug seines Vaters geholt.
Bei einer Pressekonferenz erklärte sie, dass ein weiteres erwachsenes Haushaltsmitglied vergeblich angeboten hatte, die Betreuung des Kindes zu übernehmen. Laut Darstellung des Schulbezirks forderten die Beamten den Fünfjährigen zudem auf, an der Haustür zu klopfen, um festzustellen, ob sich weitere Personen im Gebäude befanden.
Widersprüchliche Darstellungen
Das US-Heimatschutzministerium stellte klar, dass nicht das Kind, sondern der Vater Ziel des Einsatzes gewesen sei. Auf der Plattform X teilte das Ministerium mit, die Behörde habe einen „illegalen Ausländer“ aus Ecuador im Visier gehabt. Als sich Beamte dem Mann näherten, der in einem Auto unterwegs war, sei dieser zu Fuß geflohen und habe sein Kind zurückgelassen.
US-Vizepräsident JD Vance griff diese Darstellung bei einem Besuch in Minneapolis auf und fragte rhetorisch: „Die Geschichte lautet also, dass die Einwanderungsbehörde einen Fünfjährigen in Gewahrsam genommen hat. Aber was hätten sie tun sollen? Hätten sie einen Fünfjährigen erfrieren lassen sollen?“
Wie die „Washington Post“ und CNN am Donnerstag berichteten, befinden sich Vater und Sohn mittlerweile in einer ICE-Familieneinrichtung in Texas. Das Heimatschutzministerium betonte, dass Eltern grundsätzlich gefragt würden, ob sie mit ihren Kindern abgeschoben werden möchten. Alternativ könnten die Kinder zu einer von den Eltern benannten Vertrauensperson gebracht werden – dies entspreche dem Standard in der Migrationspolitik.
Warum die ICE-Beamten das Kind nicht dem Erwachsenen überließen, der nach Darstellung der Schulvertreter darum gebeten hatte, blieb zunächst ungeklärt.
Asylantrag gestellt
Ein mit dem Fall vertrauter Anwalt erklärte gegenüber der Washington Post, die Familie habe im Dezember 2024 an einem offiziellen Grenzübergang ordnungsgemäß Asyl beantragt. Ein Abschiebebeschluss habe nicht vorgelegen. „Bei jedem Schritt ihres Einwanderungsprozesses haben sie getan, was von ihnen verlangt wurde … das ist also einfach nur grausam“, so der Anwalt.
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Einsätze im selben Schulbezirk ein. Nach Angaben von Behördenvertretern in US-Medien wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens drei weitere minderjährige Schüler durch Einwanderungsbeamte in Gewahrsam genommen.
Schulvertreter berichteten von zunehmender Verunsicherung und Angst unter Schülern und Eltern.