Österreichs Schattenwirtschaft boomt – mit drastischen Folgen für die Staatskasse. Bis zu 3,5 Milliarden Euro an Steuern und Abgaben versickern im inoffiziellen Sektor.
In Österreich zeichnet sich für das laufende Jahr ein deutlicher Anstieg der Schattenwirtschaft ab. Die finanziellen Konsequenzen sind erheblich: Dem Staatshaushalt entgehen durch nicht deklarierte Handwerkerleistungen und ähnliche Tätigkeiten Einnahmen von schätzungsweise bis zu 3,5 Milliarden Euro. „Nach meinen Schätzungen entgehen der öffentlichen Hand Steuer- und Sozialversicherungsbeitragsausfälle in Höhe von circa 2 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr“, erläutert Wirtschaftsexperte Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz.
Die Prognosen für die Entwicklung der Schattenwirtschaft sind beunruhigend: Schneider erwartet einen Zuwachs von 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als Hauptursachen für diesen Anstieg identifiziert der Experte die angespannte wirtschaftliche Situation im Land sowie die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Haushaltskonsolidierung. Der Umsatz im inoffiziellen Wirtschaftssektor wird voraussichtlich die Marke von 16 Milliarden Euro überschreiten.
⇢ Schwarzarbeit-Boom: Pfusch-Rekord kostet Staat Milliarden
Im vergangenen Jahr belief sich das Volumen der Schattenwirtschaft auf rund 40 Milliarden Euro, was 7,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) entsprach. „In 2026 wird die Schattenwirtschaft (der Pfusch) somit insgesamt 41,960 Milliarden Euro oder 7,91 Prozent des offiziellen BIP betragen“, rechnet Schneider vor.
Branchenverteilung
Der größte Anteil der Schattenwirtschaft – mehr als ein Drittel – entfällt auf das Baugewerbe und Handwerksbetriebe einschließlich Reparaturdienstleistungen. An zweiter Stelle rangieren diverse Gewerbebetriebe und haushaltsnahe Dienstleistungen mit einem Anteil von 17 Prozent. Schneider weist darauf hin, dass auch Unfall- und Krankenversicherungen zu den Verlierern der Schattenwirtschaft zählen, da sie für die erhöhten Kosten aufkommen müssen, die durch zusätzliche Unfälle oder Arbeitsunfähigkeit von Personen entstehen, die im informellen Sektor tätig sind.
Europäischer Vergleich
Im europäischen Vergleich schneidet Österreich dennoch relativ gut ab: Innerhalb der EU werden voraussichtlich nur Luxemburg und Österreich die niedrigsten Raten an Schattenwirtschaft aufweisen. Trotzdem warnt Schneider vor den finanziellen Einbußen für den Staat.
Allerdings gibt es einen kleinen Lichtblick: Die negativen Auswirkungen werden teilweise dadurch gemildert, dass die in der Schattenwirtschaft erzielten Einkünfte „im Durchschnitt zu 80 Prozent sofort wieder in der offiziellen Wirtschaft ausgegeben werden.“