Notdürftig abgestützte Decken, fehlende Dokumente und ausgefallene Kameras – die Sicherheitsmängel im „Le Constellation“ vor der Brandkatastrophe mit 40 Toten werden immer deutlicher.
In der Silvesternacht kam es in der Bar „Le Constellation“ in Crans-Montana (Schweiz) zu einer verheerenden Brandkatastrophe mit 40 Todesopfern und 116 Verletzten. Neu aufgetauchte Audio- und Videomaterialien dokumentieren nun die bedenklichen Sicherheitszustände in dem Lokal kurz vor dem Unglück. Die Aufnahmen zeigen, wie sich lösender Schallschutz-Schaumstoff an der Decke notdürftig mit Billardqueues und Hockern abgestützt wurde.
Der Schweizer Sender RTS und der französische Kanal BFMTV haben Kommunikationsmaterial zwischen dem 49-jährigen Barbesitzer Jacques Moretti und seinem 28-jährigen Mitarbeiter Gaëtan veröffentlicht. In einer der Sprachnachrichten fragt Moretti: „Sag mir, ob sie herunterfallen oder nicht; wenn sie herunterfallen, müssen wir sie leider so lassen.“ In späteren Nachrichten an Gaëtan schrieb er: „Ok, dann werden wir neue anbringen, danke“ und „Ja, sieht nicht schlecht aus, nimm bitte die anderen weg.“
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Belastende Beweislage
Diese Kommunikationsnachweise sind mittlerweile Bestandteil der Ermittlungsakten bei der Staatsanwaltschaft Sion. Der Anwalt Romain Jordan, der zahlreiche Hinterbliebene vertritt, hat diese Beweise zusammengetragen. Nach Informationen von RTS werden die Gespräche als zentrales Beweismaterial gegen Moretti gewertet, da sie den mangelhaften Zustand der Schaumstoffisolierung vor dem Unglück belegen. Auffällig ist zudem, dass wichtige Dokumente über Renovierungsarbeiten aus dem Jahr 2015 nicht mehr auffindbar sind und die Überwachungskameras in der Bar kurz vor der Katastrophe ausfielen.
🇨🇭 Révélations sur le plafond de mousse à Crans Montana : vidéos exclusives et accablantes où on entend la voix du propriétaire Jacques Moretti évoquer avec un de ses salariés les réparations à faire 2 semaines avant l’incendie. #JT20h pic.twitter.com/dCK2bFE7cK
— Le20h-France Télévisions (@le20hfrancetele) January 26, 2026
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Opferschicksale
Gaëtan hatte erst Anfang Dezember seine Tätigkeit im „Le Constellation“ aufgenommen und arbeitete in der Unglücksnacht im oberen Stockwerk der Bar. Sein Vater berichtete, dass es für seinen Sohn „ein Traum war, in der Schweiz zu arbeiten“, er jedoch wegen unklarer Gehaltssituation über den Jahreswechsel bleiben wollte. Der junge Mann erlitt schwere Verbrennungen und wurde sowohl in der Schweiz als auch in Paris medizinisch versorgt. Obwohl er inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen wurde, steht er weiterhin unter ärztlicher Beobachtung.
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Jacques Moretti wurde nach Hinterlegung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen, was besonders in Italien heftige Kritik auslöste.
Mehrere schwer verbrannte Opfer befinden sich nach wie vor auf Intensivstationen und kämpfen um ihr Leben.