Zwischen diplomatischem Druck und blutiger Realität: Während Trump von Putin ein Kriegsende fordert, sterben in Saporischschja erneut Zivilisten bei russischen Angriffen.
US-Präsident fordert Kriegsende
Nach dem Ende der einwöchigen Feuerpause auf ukrainische Energieinfrastruktur hat US-Präsident Donald Trump eine unmissverständliche Botschaft an den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet. „Ich will, dass er den Krieg beendet“, erklärte Trump im Weißen Haus. Gleichzeitig äußerte der 79-jährige US-Präsident sein Bedauern darüber, dass der Kreml-Chef die temporäre Waffenruhe während der extremen Kältewelle nicht verlängert habe. Dennoch fand Trump anerkennende Worte für Putin, der „sein Wort gehalten“ habe. Eine siebentägige Unterbrechung der Angriffe sei „viel“, insbesondere angesichts der „wirklich sehr, sehr kalten“ Temperaturen, betonte der US-Präsident.
Die Realität in der Ukraine zeichnet jedoch ein anderes Bild: Während Trump seine Erklärung abgab, setzte Russland seine Offensive fort. Bei einem Drohnenangriff auf Saporischschja kamen nach ukrainischen Angaben zwei Menschen ums Leben – ein 18-jähriger Mann und ein Mädchen. Mindestens elf weitere Personen wurden verletzt, darunter mehrere Kinder. Der Regionalgouverneur Iwan Fedorow bezeichnete den Angriff als gezielten Schlag gegen ein Wohngebiet. Auch Kiew geriet in der Nacht erneut unter Beschuss, womit die kurze Phase relativer Ruhe endgültig vorbei war.
⇢ Kreml bestätigt: Kampfpause nach Trump-Anruf – Selenskyj reagiert skeptisch
Trumps Kehrtwenden
Trumps aktuelle Stellungnahme reiht sich ein in eine Serie wechselhafter Äußerungen zum Ukraine-Konflikt. Im Präsidentschaftswahlkampf hatte er vollmundig versprochen, den Krieg „in 24 Stunden“ zu beenden, später korrigierte er diese Zeitspanne auf mehrere Monate. Seine Haltung gegenüber den Konfliktparteien schwankte erheblich: Mal kritisierte er die Ukraine scharf und bezeichnete Präsident Selenskyj als „Diktator ohne Wahlen“, mal drohte er Putin mit Handelssanktionen und verschärften Maßnahmen. Konstant blieb dabei nur ein Motiv: Trump präsentiert sich als der einzige Akteur, der einen schnellen Friedensschluss herbeiführen kann.
Direkte Verhandlungen
Parallel zu diesen rhetorischen Manövern laufen die diplomatischen Bemühungen weiter. Bereits heute werden in Abu Dhabi direkte Gespräche zwischen Unterhändlern aus Kiew und Moskau stattfinden. Die auf zwei Tage angesetzten Verhandlungen werden von amerikanischer Seite vermittelt. Aus Verhandlungskreisen verlautet, dass in einzelnen Punkten erste Annäherungen erzielt wurden.
Der zentrale Streitpunkt bleibt jedoch unverändert: Russland beharrt auf einem Rückzug der Ukraine aus der Region Donezk – eine Forderung, die für die ukrainische Seite nach wie vor inakzeptabel ist.