Ein Schock erschüttert Bulgarien: Hunderte Frauen wurden während intimer Schönheitsbehandlungen heimlich gefilmt und die Aufnahmen auf Pornoportalen verbreitet.
In Bulgarien hat die Staatsanwaltschaft strafrechtliche Ermittlungen aufgenommen, nachdem ein weitreichender Skandal ans Licht kam: Hunderte Frauen wurden während intimer Schönheitsbehandlungen heimlich gefilmt. Die ohne Einwilligung erstellten Aufnahmen landeten anschließend auf pornografischen Webseiten. Die betroffenen Frauen befanden sich während der Laser-Haarentfernung und ähnlicher Behandlungen oft vollständig unbekleidet. Einige der Aufzeichnungen stammen bereits aus dem Jahr 2023 und zirkulieren seither auf zahlreichen Pornoportalen und in Telegram-Gruppen.
Unter den Betroffenen befinden sich auch Minderjährige zwischen 15 und 17 Jahren, wie die Staatsanwaltschaft bestätigte. Laut bulgarischen Medien wurden die Aufnahmen auf mehr als zehn kostenpflichtigen Pornoplattformen veröffentlicht. Staatsanwältin Maria Markova gab bekannt, dass allein in Burgas über 100 Anzeigen bei der Polizei eingegangen sind. Der Skandal betrifft nachweislich zwei Schönheitssalons in Burgas sowie einen in Kazanlak. Die Behörden dehnen ihre Untersuchungen nun auf weitere Städte des Landes aus.
Betroffene berichten
„Ich erkannte zunächst meine Freunde und Verwandten, da einige von uns, mich eingeschlossen, diesen Salon seit 2020 besuchen“, berichtete ein Opfer dem bulgarischen Fernsehsender NOVA. „Es ist ekelhaft, demütigend, man fühlt sich ausgenutzt“. „Das Schlimmste daran ist, dass ich weiß, dass mich jemand wiedererkennen könnte“, fügte das Opfer hinzu.
„Diese Fotos wurden mir von Freunden geschickt, die in dieser Gruppe sind“, erklärte ein weiteres Opfer. „Wir vertrauen diesem Salon unsere Körper für Eingriffe an, die eine beträchtliche Summe Geld kosten, und wir erwarten ein gewisses Maß an Vertraulichkeit, aber sie filmen uns heimlich“, erklärte die betroffene Frau.
Mehrere Opfer berichten, dass die Kameras unmittelbar auf ihre Intimzonen gerichtet waren. Einige Frauen geben an, dass die Aufnahmen per Livestream übertragen wurden, wobei Zuschauer den Zugang mit Kryptowährungen bezahlten. Rechtsanwalt Rosen Diev, der die Opfer vertritt, erklärte: „Ich gehe davon aus, dass diese Clips von verschiedenen Personen zehn- oder hunderttausende Male angesehen wurden.“
Laufende Ermittlungen
Bulgarische Medien erhielten zudem Hinweise und mutmaßliche Videoaufnahmen aus einer Frauenklinik in Sofia. Die von Euronews gesichteten Aufnahmen zeigen offenbar Frauen während medizinischer Untersuchungen, aufgenommen von einer in einer Raumecke installierten Kamera. Bulgarischen Medienberichten zufolge zählen zu den Opfern auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, darunter eine Richterin, eine Staatsanwältin, Journalistinnen, die Töchter eines Regionalgouverneurs sowie eine Polizeibeamtin.
Staatsanwaltschaftssprecher Stelian Dimitrov bestätigte, dass das Material explizite Szenen enthält und auf Plattformen wie Telegram und Facebook geteilt wurde. „Die Ermittlungen werden den Mechanismus ermitteln, mit dem die kriminellen Aktivitäten durchgeführt wurden“, erklärte Dimitrov.
Die Ermittler müssen nun klären, wer Zugang zu den Kameras und Aufnahmen hatte und wie das Material verbreitet wurde. Da die betreffenden Webseiten im Ausland gehostet werden, planen die bulgarischen Behörden laut bulgarischen Medien, internationale Unterstützung durch Interpol und das FBI anzufordern, um das Material zu entfernen.
Nach bulgarischem Recht wird die unerlaubte Verbreitung pornografischer Inhalte mit einem Jahr Gefängnis und Geldstrafen zwischen 500 und 1500 Euro geahndet. Bei Fällen mit minderjährigen Betroffenen sind die Strafen laut Staatsanwaltschaft deutlich höher. Trotz der Enthüllungen und laufenden Untersuchungen haben die betroffenen Schönheitssalons ihren Betrieb nicht eingestellt.
Die Polizei hat bereits Salonbesitzer sowie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter befragt, bislang jedoch keine Festnahmen vorgenommen. Einige der Verantwortlichen behaupten, ihre Überwachungskameras seien gehackt worden.
„Wir haben leider die Information erhalten, dass vier Fotos, die im Oktober 2023 in einem unserer ersten Studios in Kazanlak aufgenommen wurden, online verfügbar sind“, erklärte einer der Salonbesitzer gegenüber bulgarischen Medien.