Über 65.000 US-Soldaten, 38 Basen, ein Kontinent – und plötzlich steht alles zur Debatte.
Das US-Militär unterhält in Europa ein weitverzweigtes Netz an Stützpunkten. Laut dem jüngsten Bericht des Verteidigungsministeriums waren zum 30. Juni des vergangenen Jahres mindestens 65.754 aktive Soldaten im Verantwortungsbereich des US European Command (EUCOM, US-Europakommando) stationiert – verteilt auf mehr als 38 Basen quer über den Kontinent. Erfasst sind dabei allerdings nur jene Anlagen, die entweder eine Fläche von mindestens zehn Hektar aufweisen oder einen Wert von mindestens zehn Millionen Dollar erreichen.
Auslandsstützpunkte gelten als zentrales Instrument amerikanischer Machtprojektion. Sie ermöglichen es, in Regionen präsent zu bleiben, die Washington als strategisch bedeutsam einstuft – so formuliert es ein Bericht des Congressional Research Service (US-Kongressforschungsdienst) vom Juli 2024. Darin heißt es auch, dass Militärbasen „die Absichten der USA gegenüber anderen internationalen Akteuren signalisieren“ und damit verschiedene strategische Ziele unterstützen können.
Trumps Druck auf NATO
Entsprechend wäre ein etwaiger Truppenabzug aus Europa nicht nur eine logistische, sondern vor allem eine geopolitische Entscheidung mit weitreichender Signalwirkung gegenüber Verbündeten und Rivalen gleichermaßen. Nachdem Christoph Heusgen, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, am Freitag andeutete, die USA könnten ihre Truppen aus Europa abziehen, verstärkten sich Befürchtungen über die Folgen für die NATO – Sorgen, die in Sicherheitskreisen schon länger schwelen, wie Newsweek berichtet. Donald Trump, seit Jahren ein scharfer Kritiker des Bündnisses, fordert von den NATO-Partnern eine Anhebung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Allerdings hat das US-Repräsentantenhaus ein umfassendes Verteidigungsgesetz (National Defense Authorization Act – NDAA) verabschiedet, das die Zahl der US-Soldaten in Europa nicht längerfristig unter 76.000 senken darf, wobei eine Reduktion unter diese Schwelle maximal 45 Tage andauern kann. Diese gesetzliche Regelung setzt einem möglichen Truppenabzug faktische Grenzen.
Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete es unterdessen als „unrealistisches Ziel“, dass die Ukraine ihre Grenzen von 2014 wiederherstellen könnte – eine Aussage, die die Spannungen zwischen Washington und Kyjiw weiter verschärfte, zumal Trump gleichzeitig auf eine Annäherung an den russischen Präsidenten Wladimir Putin drängt. Der Politikwissenschaftler Graham Allison von der Harvard Kennedy School dämpft allerdings die Alarmstimmung. Gegenüber Newsweek erklärte er, die Behauptungen von Personen wie Trumps ehemaligem Nationalen Sicherheitsberater John Bolton für nicht zutreffend zu halten.
Trumps Team versuche zwar, die Europäer aus jenem „Sicherheitskoma“ aufzurütteln, in dem sie geglaubt hätten, ihre Sicherheit kostenlos an die USA auslagern zu können – doch werde die Zahl der US-Streitkräfte in Europa Ende nächsten Jahres aller Voraussicht nach im Rahmen der Schwankungen der vergangenen zehn Jahre liegen, so Allison.
Wichtigste Standorte
Zu den bedeutendsten US-Militärbasen in Europa zählen laut der offiziellen Datenbank des Verteidigungsministeriums folgende Standorte in Deutschland: die Kaserne Ansbach, die Luftwaffenbasis Büchel, die NATO-Luftwaffenbasis Geilenkirchen, das US-Luftwaffenelement Kalkar, die Luftwaffenbasis Ramstein, die Luftwaffenbasis Spangdahlem, USAG Bavaria, USAG Bavaria in Garmisch-Partenkirchen, USAG Bavaria in Hohenfels, die Militärgemeinschaft USAG Rheinland-Pfalz in Kaiserslautern, USAG Rheinland-Pfalz in Baumholder, USAG Stuttgart sowie USAG Wiesbaden.
In Italien sind es die Luftwaffenbasis Aviano, die Luftwaffenbasis Ghedi, die Marineluftwaffenstation Sigonella, die Marineunterstützung Neapel, die Außenstelle Gaeta der Marineunterstützung Neapel, USAG Italien sowie die USAG-Italien-Darby-Militärgemeinschaft. Weitere Standorte umfassen die Luftwaffenbasis Papa in Ungarn, die Marineunterstützung Souda Bay auf Kreta, das Lajes Field auf den Azoren, die Luftwaffenbasis Morón und die Marinestation Rota in Spanien sowie die britischen Stützpunkte RAF Alconbury, RAF Molesworth, RAF Croughton, RAF Fairford, RAF Lakenheath und RAF Mildenhall.
Hinzu kommen die Luftwaffenbasis İncirlik und der Luftwaffenstützpunkt İzmir in der Türkei, USAG BENELUX Brunssum und die Luftwaffenbasis Volkel in den Niederlanden, der Stützpunkt Stavanger in Norwegen sowie in Belgien die Luftwaffenbasis Kleine Brogel, USAG BENELUX Brüssel und USAG BENELUX SHAPE/Chièvres.