Der Vatikan hat gesprochen – und stellt sich damit hinter eine der umstrittensten Methoden der modernen Medizin.
Der Vatikan hat sich klar positioniert: Katholiken dürfen tierische Organe und Gewebe transplantiert bekommen – und die Kirche hat dagegen grundsätzlich nichts einzuwenden. Das geht aus einem 88-seitigen Dokument mit ethischen Richtlinien hervor, das der Heilige Stuhl am Dienstag veröffentlichte. Voraussetzung ist, dass medizinische Standards eingehalten werden und Tiere nicht grausam behandelt werden. „Die katholische Theologie kennt keine Verbote auf religiöser oder ritueller Grundlage für die Verwendung von Tieren als Quelle für Organe, Gewebe oder Zellen zur Transplantation beim Menschen“, heißt es darin ausdrücklich.
Xenotransplantation im Fokus
Im Mittelpunkt des Dokuments steht die sogenannte Xenotransplantation – also die Übertragung von Organen oder Gewebe zwischen verschiedenen Tierarten, einschließlich des Menschen. Dabei kommen zunehmend genetisch veränderte Organe von Schweinen oder Rindern zum Einsatz. Bereits 2001 hatte der Vatikan solche Eingriffe grundsätzlich gebilligt, damals noch in einem sehr frühen Entwicklungsstadium. Seither hat die Forschung erhebliche Fortschritte gemacht: 2024 wurde in den USA erstmals eine Schweineniere auf einen Menschen übertragen – ein medizinischer Meilenstein, der die Debatte neu entfacht hat.
Vatikanische Empfehlungen
Das vatikanische Dokument, das unter Mitwirkung von Medizinerinnen und Medizinern aus Italien, den USA und den Niederlanden erarbeitet wurde, ermutigt die Wissenschaft, auf diesem Gebiet „zweckmäßig, verhältnismäßig und nachhaltig“ voranzuschreiten. Gleichzeitig werden Ärztinnen und Ärzte dazu angehalten, Patientinnen und Patienten umfassend über die Risiken solcher Eingriffe aufzuklären – darunter die Möglichkeit einer Abstoßungsreaktion des Immunsystems sowie die Gefahr von Infektionen durch tierische Mikroorganismen.