Serbisches Mehl verdrängt kroatische Produkte – und die Zahlen zeigen, wie dramatisch das Ungleichgewicht bereits geworden ist.
Kroatien importierte im Jänner 2025 insgesamt 65.303 Tonnen Mehl im Wert von 24,1 Millionen Euro – und die Handelsbilanz fällt entsprechend ernüchternd aus: Das Defizit beläuft sich auf rund 20 Millionen Euro. Dem stehen lediglich 9.422 Tonnen Mehlexporte im Wert von 4,1 Millionen Euro gegenüber. Die Importdeckung durch eigene Ausfuhren liegt damit bei gerade einmal 14,4 Prozent – halb so viel wie noch im Vorjahr, als der Wert noch 30,2 Prozent betrug.
Größter Lieferant ist Serbien, das seine Mehlexporte nach Kroatien von 10.393 Tonnen im Jahr 2024 auf 22.110 Tonnen nahezu verdoppelt hat – ein Anstieg von rund 113 Prozent. Damit übertrifft allein die serbische Liefermenge den gesamten kroatischen Mehlexport um mehr als das Doppelte. Dahinter folgen Ungarn mit 18.964 Tonnen, Italien mit 7.396 Tonnen, Slowenien mit 3.353 Tonnen sowie die Ukraine mit 1.009 Tonnen.
Auf der Exportseite gehen die größten Mengen kroatischen Mehls nach Bosnien und Herzegowina (4.646 Tonnen), Slowenien (2.772 Tonnen) und in den Kosovo (1.176 Tonnen). Diese Zahlen stammen von der Zitozajednica, dem Wirtschaftsverband der kroatischen Mühlen- und Bäckereiindustrie, und sie zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Die heimische Mühlenbranche verliert trotz gestiegener Weizenproduktion zunehmend an Boden gegenüber der regionalen Konkurrenz.
Fehlende Schutzmechanismen
Besonders auffällig ist dabei, dass kroatisches Mehl kaum den Weg auf EU-Exportmärkte findet – denn dort schützen die meisten Staaten ihre eigene Produktion mit teils subtilen, aber wirkungsvollen Mitteln. Für Einfuhren auf den kroatischen Markt hingegen scheinen solche Hürden weitgehend zu fehlen.
Wie groß der Unterschied in der Praxis ist, verdeutlicht Nada Barisic, Direktorin der Zitozajednica, am Beispiel Österreich: Kroatische Produzenten, die versuchen, ihr Mehl in österreichischen Industriebäckereien zu platzieren, sehen sich mit strikten Auflagen konfrontiert. Zunächst sind kostspielige Kontrollen und Zertifizierungen erforderlich, die mehrere tausend Euro verschlingen können. Hinzu kommt eine Mengenbeschränkung: Je nach Region dürfen Lieferanten von außen lediglich bis zu 25 Prozent des Gesamtbedarfs abdecken – die restlichen 75 Prozent müssen von österreichischen Produzenten stammen. Ähnlich klar geregelt sei die Lage in Slowenien. In Kroatien selbst existieren vergleichbare Schutzmechanismen offenbar nicht.
Druck auf Mühlen
Die Folgen zeigen sich bereits im Marktgeschehen: In Slawonien und Dalmatien hat serbisches Mehl aufgrund seines niedrigeren Preises merklich an Boden gewonnen. Zahlreiche Bäckereien haben ihren Bezug von kroatischem Mehl bereits halbiert.
In der Praxis hat sich laut Zitozajednica vielfach ein Mischmodell etabliert, bei dem heimisches Mehl vorwiegend zur Qualitätsverbesserung eingesetzt wird, während das Verhältnis von importiertem zu inländischem Mehl häufig bei etwa 50 zu 50 liegt.
Multipliziert man diesen Effekt über eine große Zahl von Betrieben, wird der Druck auf den Gesamtabsatz der heimischen Mühlen spürbar – und damit langfristig auch auf deren wirtschaftliche Tragfähigkeit.