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Transportkrise

Schengen-Falle: Hunderte Lastwagenfahrer verhaftet – Lieferketten brechen weg

Schengen-Falle: Hunderte Lastwagenfahrer verhaftet – Lieferketten brechen weg
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Handschellen statt Lenkrad: Balkan-Trucker geraten in der EU in eine bürokratische Falle – mit Folgen für ganze Lieferketten.

Professionelle LKW-Fahrer aus Serbien und anderen Balkanstaaten geraten auf den Straßen der Europäischen Union zunehmend unter Druck. Die strikte Anwendung der Schengen-Aufenthaltsregel stellt Transporteure aus Drittstaaten mit Berufskraftfahrern gleich, die lediglich als Touristen gelten – mit drastischen Konsequenzen: Verhaftungen mitten auf der Route, beschlagnahmte Fahrzeuge und Abschiebungen häufen sich, während der gesamte Transportsektor der Region um seine Zukunft bangt.

Schengen-Regel trifft Fahrer

Das Herzstück des Problems ist die 90/180-Tage-Regelung im Schengen-Raum, die den Aufenthalt von Drittstaatsangehörigen auf maximal 90 Tage innerhalb eines rollierenden 180-Tage-Zeitraums begrenzt. Was für Reisende und Urlauber konzipiert wurde, trifft nun Berufskraftfahrer mit voller Wucht – denn das System unterscheidet nicht zwischen einem Touristen und einem Fahrer, der lebensnotwendige Güter durch Europa transportiert.

Läuft das erlaubte Kontingent ab, bricht an den Grenzen das Chaos aus. Fahrern werden Handschellen angelegt, ihre Fahrzeuge bleiben auf Parkplätzen zurück, und die Männer selbst werden mit Einreiseverbot abgeschoben. Zusätzliche Verwirrung entsteht durch die uneinheitliche Auslegung der Regeln in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten: Was an der kroatischen oder slowenischen Grenze noch problemlos passiert wurde, kann in Wien zur sofortigen Festnahme führen.

Frist an Brüssel

Die Lage hat mittlerweile ein Ausmaß erreicht, das die Transportverbände Serbiens, Montenegros, Bosnien-Herzegowinas und Nordmazedoniens zum gemeinsamen Handeln bewogen hat. Geschlossen sind sie vor die Europäische Kommission getreten und fordern eine dringende Ausnahmeregelung für Berufskraftfahrer – eine Herausnahme dieser Berufsgruppe aus dem starren Schengen-Korsett. Als Frist für ein konkretes Lösungsmodell aus Brüssel wurde der 10. August gesetzt. Sollte bis dahin keine verbindliche Antwort vorliegen, kündigten die Verbände weitere Schritte an.

Die EU-Kommission hat nach Berichten vom Frühjahr 2026 ein eigenes Visumkonzept für Berufskraftfahrer aus Nicht-Schengen-Staaten in ihrer neuen Visastrategie vorgesehen. Dies könnte eine langfristige Lösung für die anhaltenden Probleme darstellen.

Die wirtschaftlichen Folgen dieser administrativen Blockade sind längst spürbar. Mehr als die Hälfte der betroffenen Fahrer hat das Land bereits verlassen und sich bei Unternehmen innerhalb der EU angestellt, um dem Papierkrieg zu entkommen. Firmen sehen sich gezwungen, mitten auf laufenden Touren Ersatzfahrer für verhaftete Kollegen zu organisieren – ein logistischer und finanzieller Kraftakt, der Lieferzeiten in die Länge zieht und Kosten in die Höhe treibt.

Erschwerend kommt hinzu, dass interne Meinungsverschiedenheiten zwischen Transportunternehmen und Fahrern die gemeinsame Verhandlungsposition gegenüber den europäischen Institutionen schwächen.

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KO KOSMO-Redaktion
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