Ceuta erlebt den größten Migrationsansturm seit Jahren – und die Lage eskaliert täglich weiter.
In der spanischen Exklave Ceuta an der nordafrikanischen Küste hat sich die Lage innerhalb weniger Tage dramatisch zugespitzt. Mehr als 1.500 Migranten sind in kurzer Zeit angekommen, die Aufnahmeeinrichtungen sind an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen. Regionalpräsident Juan Jesús Vivas sprach von einem „humanitären und sozialen Notstand“.
Die Regierung in Madrid reagierte mit der Ankündigung, Soldaten in das an Marokko grenzende Gebiet zu entsenden. Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte auf X, seine Regierung habe „alle notwendigen Mittel mobilisiert“, um „eine sofortige Antwort auf die Situation in Ceuta zu geben“. Innenminister Fernando Grande-Marlaska kündigte die Verlegung von Soldaten an, „um die Sicherheit in Ceuta aufrechtzuerhalten“, und will selbst am Freitag vor Ort sein, um sich mit Behördenvertretern zu beraten.
Die Zusammenarbeit mit den marokkanischen Behörden bezeichnete er als „vorbildlich“. Beide Länder würden „so bald wie möglich Maßnahmen“ ergreifen, um die illegal Eingereisten nach Marokko zurückzubringen.
Dramatische Zuspitzung
Am Donnerstag verschärfte sich die Situation weiter. Vivas schrieb auf X: „Heute ist die Lage noch schlimmer: noch mehr Ankünfte, überlastete Einrichtungen und ein weiteres auf See verlorenes Leben.“ Am Abend bestätigten die Behörden, dass neun Menschen ums Leben gekommen waren, als sie versuchten, Ceuta zu erreichen.
Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten, wie auch am Donnerstag kontinuierlich Menschen von marokkanischer Seite in die Exklave gelangten – einige schwimmend über das Meer, andere über einen Grenzübergang im Süden des gut 18 Quadratkilometer großen Gebiets. Auf marokkanischer Seite versammelten sich laut AFP-Beobachtungen hunderte Menschen nahe der Grenzstadt Fnideq. Manche von ihnen beriefen sich auf Gerüchte, wonach der Übergang am Donnerstagmorgen geöffnet werden sollte.
In den Straßen Ceutas begegneten viele der Angekommenen der spanischen Polizei mit Dankbarkeit. Rufe wie „Auf Wiedersehen Marokko, hallo Spanien!“ waren zu hören. Die Sicherheitskräfte verhielten sich zurückhaltend und versuchten, die Menschen zur örtlichen Aufnahmeeinrichtung zu geleiten.
Im Fernsehen hatte Vivas die Lage bereits deutlich benannt: „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands.“ Schon am Mittwoch hatte er darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Tagen mehr als 1.500 Menschen angekommen seien, überwiegend Männer und Jugendliche, im Schnitt rund 200 pro Tag.
Politische Reaktionen
Konkrete aktuelle Zahlen zu den jüngsten Ankünften waren von den Behörden am Donnerstag zunächst nicht zu erhalten. Den Ausmaßen nach handelt es sich um den größten Zustrom seit 2021, als mehr als 10.000 Menschen die Grenze zur Exklave überwanden. Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo von der konservativen Volkspartei PP bezeichnete die Entwicklung als „nationale Sicherheitskrise“.
Der jüngste starke Anstieg der Migration nach Ceuta steht im unmittelbaren Zusammenhang mit einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs vom Anfang Juli 2026, das verbietet, auf dem Seeweg nach Ceuta oder Melilla abgefangene Migranten umgehend nach Marokko zurückzuschicken.
Thousands of migrants have streamed into the tiny Spanish territory of Ceuta in North Africa from Morocco, prompting local officials to call for help from Spain’s national government in Madrid to restore the border. pic.twitter.com/S2fTWapBzR
— The Associated Press (@AP) July 30, 2026
Santiago Abascal, Vorsitzender der rechtsextremen Partei Vox, machte auf X Regierungschef Sánchez persönlich für die Ankünfte verantwortlich. Ceuta und die spanische Exklave Melilla bilden die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union mit dem afrikanischen Kontinent und sind daher seit Jahren ein Ziel für Menschen, die auf ein besseres Leben in Europa hoffen.
BREAKING:
First clashes have broken out in the streets of Ceuta between Spanish citizens and Moroccan invaders.
— Visegrád 24 (@visegrad24) July 30, 2026
Marokko fungiert für viele von ihnen als Transitland auf dem Weg dorthin.