Ein Bestatter in England missbrauchte das Vertrauen Trauernder auf eine Weise, die selbst erfahrene Ermittler sprachlos zurückließ.
Ein Bestatter aus England ist zu einer Freiheitsstrafe von 20 Jahren verurteilt worden. Der 48-Jährige hatte Dutzende Leichen in seinem Betrieb zurückgehalten und trauernden Hinterbliebenen die Asche unbekannter Personen übergeben. Der Mann gestand 67 Straftaten, darunter 30 Fälle der Verhinderung einer rechtmäßigen und würdevollen Bestattung.
Bei dem Verurteilten handelt es sich um Robert Bush, den ehemaligen Inhaber des Bestattungsunternehmens Legacy Independent Funeral Directors in Hull.
Schockierende Zustände
Als Ermittler das Bestattungsunternehmen im März 2024 durchsuchten, stießen sie auf ein Bild, das die Nachrichtenagentur PA aus dem Gerichtssaal in Hull – einer Stadt in Nordengland – als „schockierend“ beschrieb. Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler 31 Leichen in einer Kühlung und mehr als 100 Urnen mit Asche. Ein Teil der Leichname war bereits in Verwesung übergegangen. Asche wurde in verschimmelten Kartons sowie verstreut auf dem Boden vorgefunden.
Im weiteren Verlauf der Ermittlungen konnten laut PA 57 zusätzliche Familien ausfindig gemacht werden, die entweder falsche oder überhaupt keine Asche erhalten hatten. Zahlreiche Verstorbene – darunter auch ein ungeborenes Kind – hätten bereits Monate zuvor eingeäschert werden sollen.
Richters Urteil
Der Richter erklärte PA zufolge, der Angeklagte habe „Leid und Schmerz in einem Ausmaß verursacht, das jegliches Vorstellungsvermögen übersteigt“. Daran, dass der 48-Jährige „aufgrund finanzieller Gier auf solch betrügerische Weise verhalten hat“, bestehe kein Zweifel. Über Jahre hinweg habe er das Vertrauen seiner Kunden auf vielfältige Weise ausgenutzt, so der Richter weiter.
„Wenn er einen Sarg, für den bereits jemand bezahlt hatte, wiederverwenden konnte, tat er das. Wenn es billiger war, jemanden unter ungekühlten Bedingungen aufzubewahren, tat er auch das.“ Viele seiner Kunden könnten sich bis heute nicht sicher sein, tatsächlich die Asche ihrer Angehörigen bekommen zu haben.
In den Tagen vor der Urteilsverkündung schilderten Betroffene vor Gericht ihre Fassungslosigkeit und ihren Abscheu angesichts der Vergehen – während der Verurteilte auf der Anklagebank saß. Laut PA wurden die Aussagen von mehr als 200 Opfern verlesen. Jene, die ihre Erklärungen persönlich vortrugen, brachen dabei vielfach in Tränen aus.