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Gewaltprozess

,,Zwei Monate sind fast nichts“ – Jetzt sitzt 16-jähriger wieder in Handschellen

,,Zwei Monate sind fast nichts“ – Jetzt sitzt 16-jähriger wieder in Handschellen
Foto: iStock
3 Min. Lesezeit |

Kaum auf freiem Fuß, schon wieder in Handschellen: Ein 16-Jähriger steht erneut vor Gericht – und die Zeugen machen alles noch komplizierter.

Ein 16-jähriger Syrer, der nach dem Abbruch seiner Schulausbildung innerhalb kürzester Zeit drei Vorstrafen angehäuft hatte, stand am Montag erneut vor dem Wiener Straflandesgericht – diesmal in Handschellen. Im März war er noch bedingt aus der Haft entlassen worden. Nun wird ihm vorgeworfen, seinem Cousin den Kiefer gebrochen zu haben – aus Rache dafür, dass dieser mit seiner Aussage zur Verurteilung des Angeklagten beigetragen hatte.

Zeugen zufolge trat er dem Cousin am 19. Juni beim gemeinsamen Aufenthalt in der Wiener Krieau unvermittelt ins Gesicht und schlug anschließend mit den Fäusten auf ihn ein. Das Opfer, das vor Schmerzen wimmerte und den Mund nicht mehr öffnen konnte, musste am darauffolgenden Tag operiert werden. Ein Zeuge beschrieb den Angeklagten mit den Worten, er habe „leichte Aggressionsprobleme“.

Verharmlosung vor Gericht

Vor Gericht distanzierte sich der Jugendliche von den Gewaltvorwürfen. „Das war ein Unfall, wir haben nur im Spaß gerungen. Dabei habe ich seinen Kopf mit meinem Fuß eingeklemmt und zu fest zugedrückt“, behauptete er. Von einem Rachemotiv wollte er nichts wissen – sein Verteidiger Ernst Schillhammer ergänzte, es habe im Vorfeld bereits eine Aussprache gegeben und die Angelegenheit sei bereinigt gewesen.

Den Umstand, dass sein Cousin ihn bei der Polizei belastet hatte, kommentierte der Angeklagte gelassen: „Zwei Monate sind eh fast nichts zum Absitzen. Es war mir egal, dass er mich verraten hat.“ Im weiteren Verlauf der Verhandlung gab der Jugendliche bekannt, dass er ursprünglich am 1. August nach Damaskus zurückkehren wollte – er hatte einen Antrag auf freiwillige Ausreise gestellt.

„Ich geh Damaskus. Mein Traum wäre im Tourismus zu arbeiten. Ich will nicht wie ein Junkie auf der Straße sein“, richtete er sich mit einem erneuten Appell um Milde an den Richter. Die Untersuchungshaft hatte ihm kurz vor der geplanten Abreise einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Cousins Sinneswandel

Die Lage des Angeklagten verbesserte sich auch durch einen auffälligen Sinneswandel seines Cousins kaum – dessen neue Darstellung wirkte wenig überzeugend. „Ich habe bei der Polizei gelogen, weil ich zuerst Angst hatte, durch die Verletzung nie wieder lächeln zu können. Ich liebe meinen Cousin. Er kann keinem Tier etwas zuleide tun“, erklärte der Zeuge. Lediglich „leichte Aggressionsprobleme“ nach Alkoholkonsum räumte er dem Angeklagten ein.

Die Mutter des 16-Jährigen verfolgte die Verhandlung sichtlich bewegt und mit unterdrückten Tränen. Die Staatsanwältin kündigte daraufhin ein Verfahren wegen falscher Beweisaussage gegen den Zeugen an – entweder bei der Polizei oder vor Gericht hatte er die Unwahrheit gesagt. Da ein weiterer Zeuge polizeilich vorgeführt werden soll, wurde die Verhandlung noch am Vormittag unterbrochen.

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KO KOSMO-Redaktion
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