100 Hektar Wald in Asche, sechs Verletzte – und die Gefahr ist noch nicht gebannt. Niederösterreich kämpft weiter.
Nachdem der Waldbrand im Föhrenwald in St. Egyden am Steinfeld im Bezirk Neunkirchen am Mittwochabend eingedämmt werden konnte, stehen die Einsatzkräfte am Donnerstag vor einer neuen Herausforderung: Glutnester und die Gefahr eines erneuten Aufflammens halten die Helfer in Atem. Sechs von ihnen wurden dabei verletzt. Drohnenaufnahmen bestätigen das Ausmaß des Schadens – rund 100 Hektar Waldgebiet sind betroffen.
In den Nachtstunden konnte die Mannschaftsstärke von 500 auf 250 Einsatzkräfte reduziert werden, wie Bezirksfeuerwehrkommandant Mario Lukas mitteilte. Der Einsatz läuft sowohl am Boden als auch aus der Luft auf Hochtouren weiter. „Wir müssen die Bodenfläche durcharbeiten, weil immer wieder lodernde Glutnester darunter sind und die nicht immer gleich erkennbar sind. Das wird schon sicherlich bis am Abend dauern, aber die erste große Gefahr ist erledigt.“
Einsatz auf Hochtouren
Feuerwehren aus benachbarten Bezirken unterstützen die Kräfte aus dem Bezirk Neunkirchen nach wie vor. Lukas würdigt den Einsatz aller Beteiligten als „Spitzenleistung“. „Du kommst an deine Grenzen, weil erstens die hohen Temperaturen generell und dann auch noch die Feuertemperatur – das war sicher ein Ausnahmezustand“, sagt er über die Herausforderung des Einsatzes am Mittwoch.
Auch am Donnerstagmorgen sind drei Hubschrauber im Einsatz, die Löschwasser über dem betroffenen Gebiet abwerfen. Begünstigend wirkt sich derzeit die nahezu vollständige Windstille im Einsatzgebiet aus, wie Lukas schildert. Wie lange die Löscharbeiten im Föhrenwald noch andauern werden, lässt sich am Donnerstagmorgen nur schwer einschätzen – Lukas hält einen Einsatz bis Freitag für möglich.
Die extreme Trockenheit habe dazu beigetragen, dass sich das Feuer rasend schnell ausgebreitet habe. „Da reicht ein kurzer Augenblick“, sagt der Bezirksfeuerwehrkommandant. „Gestern sind die Flammen einfach in Sekundenschnelle größer geworden. Bei der ersten Alarmierung haben sie gesagt, binnen Sekunden war es ein Großbrand.“
Wie der Sprecher des Landesfeuerwehrkommandos, Klaus Stebal, mitteilte, wurden insgesamt sechs Feuerwehrleute verletzt: Drei zogen sich Verbrennungen zu, drei weitere erlitten eine Rauchgasvergiftung. Auch das Rote Kreuz war mit mehr als 20 Mitarbeitenden vor Ort im Einsatz.
Im Bezirk Gänserndorf hatten zahlreiche Einsatzkräfte am Mittwoch parallel dazu einen Vegetationsbrand zu bekämpfen. Laut Bezirkskommando waren rund 15 Hektar betroffen. Im Bereich Neusiedl an der Zaya, Palterndorf-Dobermannsdorf und Hausbrunn standen 15 Feuerwehren mit rund 30 Fahrzeugen und 130 Mitgliedern sowie die Waldbranddienstgruppe des Bezirks im Einsatz. Bei beiden Großbränden war das Rote Kreuz mit insgesamt 40 Mitarbeitenden präsent, wie Sprecherin Sonja Kellner mitteilte.
Steigende Brandzahlen
Waldbrände beschäftigten am Mittwoch gleich mehrere Bundesländer. Der Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Robert Mayer, warnt vor einer weiteren Zunahme solcher Ereignisse. Mit rund 280 Wald- und Vegetationsbränden seien heuer bereits deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025 (160) registriert worden, so Mayer bei einer Pressekonferenz in Wien.
Für den Zeitraum von 1995 bis 2010 nannte der Verbandspräsident rund 1.700 Waldbrände österreichweit; zwischen 2010 und 2025 stieg diese Zahl auf rund 3.000 Ereignisse. „Etwa 80 Prozent der Wald- und Vegetationsbrände sind menschengemacht“, sagte Mayer. Der „Klassiker“ schlechthin sei dabei die weggeworfene Zigarette.