Ein kostenloser Hund, ein Impfpass – und dahinter ein illegales Geschäft. Eine Kärntnerin erlebt, was Tierhandel wirklich bedeutet.
Immer wieder passiert es: Ein abgemagerter Mischling wird im Urlaub mitgenommen, ein vermeintlicher Rassehund über das Internet aus dem Osten bestellt. Die Tiere wirken niedlich, sind für wenig Geld zu haben und werden als günstige Gelegenheit angepriesen. Doch was zunächst wie ein Schnäppchen aussieht, entpuppt sich häufig als kostspieliges Problem – fehlende Impfungen, versteckte Erkrankungen oder ein Tier, das einfach nicht zum neuen Zuhause passt.
Genau das musste auch eine Kärntnerin erleben. Obwohl sie für ihren Hund keinen Cent bezahlt hat, kommen die Folgekosten sie teuer zu stehen. Der Mischling Bobiza stammt aus Rumänien und wird im Oktober neun Jahre alt.
Vor einem Jahr meldete sich eine entfernte Bekannte bei der Frau und bot ihr den Hund an. Er sei legal importiert, vollständig geimpft, gechipt, kastriert, gutmütig und gesund – kostenlos abzugeben, mit Impfpass als Nachweis.
Teure Folgekosten
Doch die Realität sah ganz anders aus. Der Hund war illegal nach Österreich gebracht worden, trug zwei unterschiedliche Chipnummern, und der mitgelieferte Impfpass gehörte schlicht nicht zu ihm. Bobiza war weder registriert noch kastriert – ein Hoden befand sich noch im Bauchraum.
Dazu kamen Durchfall, Bisswunden, Augenprobleme, geschorene Stellen und wiederkehrende Schmerzschreie. Drei Operationen waren notwendig, innerhalb eines halben Jahres summierten sich die Tierarztkosten auf 1.500 Euro. Die Besitzerin vermutet, dass die Vermittlerin den Hund weitergegeben hat, um sich genau diese Kosten zu ersparen.
Damit ist die Angelegenheit jedoch noch nicht abgeschlossen. Auf die Frau könnten zusätzlich Anwalts- und Gerichtskosten zukommen, denn sie hat die Vermittlerin wegen Betrugs angezeigt. Das Verfahren wurde zunächst eingestellt, da bei der Übergabe kein Geld geflossen war. Mittlerweile ist der Fall aber wieder offen.
Warnung der Experten
Auch Anna Offner, Präsidentin des Kärntner Tierschutzvereins, warnt ausdrücklich davor, Hunde aus dem Ausland oder als Urlaubsmitbringsel nach Hause zu bringen. „Man kann auch in Österreich Tiere retten. Unsere Tierheime sind voll von Hunden und hier weiß man, was man bekommt: Man kann sich das Tier anschauen, es zwei Wochen auf Probe aufnehmen und sogar zurückgeben, wenn es nicht passt“, sagt Offner. Trotzdem würden immer wieder Menschen Organisationen unterstützen, die Hunde importieren – und dabei das Wohl der Tiere hintanstellen.
Dass illegale Tiertransporte kein Einzelfall sind, zeigen Kontrollen der Behörden. In Kärnten wurden bei einer Kontrolle eines slowakischen Pkw 30 Hundewelpen in Käfigen entdeckt – die Tiere waren teilweise zu jung für den Transport und es fehlten die erforderlichen Beförderungslizenzen.
Nach Angaben der Tierschutzorganisation Vier Pfoten werden innerhalb der EU monatlich rund 50.000 Welpen zwischen den Mitgliedsstaaten gehandelt. „Gerade in Osteuropa werden Welpen unter schlimmsten Bedingungen gezüchtet und ihren Müttern im Alter von nur wenigen Wochen viel zu früh entrissen. Häufig sind diese Welpen geschwächt, krank, von Parasiten befallen und ungeimpft. Es gibt für die Betreiber kaum Auflagen, kaum Kontrollen und nur selten Strafen“, heißt es.
„Die oftmals kranken und traumatisierten Welpen werden in Kofferräume gepfercht und von Zwischenhändlern bzw. Fahrern illegal quer durch Europa gekarrt. In Österreich werden die gequälten Hunde oft an öffentlichen Plätzen verkauft und mit gefälschten Papieren übergeben.“