Nasenbeinbruch, ausgebrochene Zähne, Tritte – Zugbegleiter in Österreich berichten von einer Realität, die kaum jemand ahnt.
Aktuelle Erhebungen unter Zugbegleitern in Österreich zeichnen ein besorgniserregendes Bild: Der Berufsalltag im Zugdienst ist für viele Beschäftigte von Aggressionen, Drohungen und körperlicher Gewalt geprägt. Laut einer Befragung, die der Österreichische Gewerkschaftsbund gemeinsam mit der Gewerkschaft vida Tirol durchgeführt hat, gaben 89 Prozent der Befragten an, im Dienst bereits beschimpft worden zu sein. 69 Prozent berichteten von Drohungen, und rund ein Drittel des Zugpersonals wurde im Laufe seiner Tätigkeit körperlich angegriffen.
Mehr als ein Drittel der Befragten fühlt sich bei der Arbeit nicht oder kaum sicher.
Angriff im Dienst
Muhammed Bakir, der seit Jahren als Zugbegleiter in Ostösterreich tätig ist, kennt diese Realität aus eigener, schmerzhafter Erfahrung. Auf der Schnellbahnlinie S2 geriet er in einen Angriff, der mit einem fehlenden Fahrschein begann und in schwerer körperlicher Gewalt endete. „Mein Teamkollege wird plötzlich attackiert, einer hat ihm auf den Schädel geschlagen“, schildert Bakir den Hergang. „Dann wurde ich zur Zielscheibe, ich bin attackiert worden.“
Die Folgen waren gravierend: „Ich hatte einen Nasenbeinbruch, schwere Verletzungen in der Augenhöhle, ein Zahn war ausgebrochen.“
Allein im Konflikt
Konflikte mit Fahrgästen stellen laut der Befragung die mit Abstand häufigste Stressquelle im Zugdienst dar: 87 Prozent der Befragten nennen sie als zentralen Belastungsfaktor. Besonders erschwerend kommt hinzu, dass 74 Prozent der Zugbegleiter angeben, solche Konflikte in der Regel auf sich allein gestellt bewältigen zu müssen.
Bakir erlebte dies auch auf der Südstrecke, als ein randalierender Obdachloser die Situation eskalieren ließ: „Er stand auf und hat meine Kollegin zwischen die Beine getreten!“ Derartige Vorfälle hinterlassen nachhaltige Spuren. „Ich bin vorsichtiger geworden“, sagt Bakir, und fügt hinzu: „Ich denke schon daran, wenn Fahrgäste aggressiv sind, denn es gibt nichts, was es im Zug nicht gibt!“