Ein EU-Abgeordneter zieht einen brisanten Vergleich – und stellt damit die geopolitische Stabilität des gesamten Westbalkans infrage.
Der EU-Abgeordnete Tomislav Sokol, Mitglied der kroatischen Regierungspartei HDZ, hat scharfe Kritik an der Politik des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic geübt. In einem Interview bezeichnete er Vucic als Sicherheitsbedrohung für alle Nachbarstaaten Serbiens und zog dabei eine direkte Parallele zur Rhetorik und Politik der 1990er Jahre: „Vucic ist eine Sicherheitsbedrohung für alle umliegenden Länder – er ist derselbe wie in den Neunzigern.“
Vucics Machtanspruch
Sokol thematisierte dabei auch das angespannte Verhältnis zwischen Vucic und dem Politiker der Republika Srpska, Milorad Dodik. Die Ursache dieser Spannungen sieht er in Vucics Führungsstil: Der serbische Präsident dulde keine politischen Akteure in seiner Nähe, die ihm an Einfluss gleichkommen könnten.
Darüber hinaus beklagte Sokol, dass es in Serbien keine ernstzunehmenden proeuropäischen oder prowestlichen Parteien mehr gebe – ein Umstand, den er als besorgniserregend für die gesamte Region wertet. Gegenüber der Europäischen Kommission forderte er eine deutlich klarere Haltung gegenüber Belgrad. Als mögliche Zäsur nannte er die Wahlen vom 25. Oktober, nach denen Vucic die Macht verlieren könnte – was die geopolitische Lage auf dem Westbalkan grundlegend verändern würde.
Skeptische Prognosen
Skeptischer zeigt sich in dieser Frage die ehemalige kroatische Außenministerin Vesna Pusic. Sie rechnet eher damit, dass Vucic an der Macht bleibt: „Er weiß, wie man die Situation zu seinen Gunsten wendet – im Moment ist es wahrscheinlicher, dass er an der Macht bleibt.“