Österreichs Impfquoten sinken und ein Verband fordert nun einen radikalen Systemwechsel, der Millionen Österreicher direkt betrifft.
Der Verband der Impfstoffhersteller (ÖVIH) hat sich bei einem Pressetermin in Wien für gesetzliche Änderungen ausgesprochen, die es Apothekern erlauben würden, Impfungen durchzuführen – mit dem Ziel, die in Österreich nach wie vor niedrigen Durchimpfungsraten zu verbessern.
Beim Pressegespräch machte der ÖVIH deutlich, dass entsprechende gesetzliche Grundlagen dringend geschaffen werden müssten. ÖVIH-Präsidentin Sigrid Haslinger betonte, dass ein solches Angebot das bestehende Impfsystem sinnvoll ergänzen, aber keinesfalls ersetzen solle. „Wenn das Angebot steigt, nehmen auch die Impfraten zu“, so Haslinger.
Europäische Vorbilder
Dass ein solches Modell funktioniert, zeigen bereits 19 europäische Länder, in denen Apotheker zur Impfung berechtigt sind. ÖVIH-Vizepräsidentin Nicole Zahradnicek verwies auf die dort erzielten Ergebnisse – besonders bei der Influenza-Immunisierung seien die Fortschritte bemerkenswert. Gerade junge Berufstätige, die für reguläre Arzttermine oft wenig Zeit aufbringen, würden durch das niederschwellige Apothekenangebot deutlich besser erreicht.
Konkreter erster Schritt
Als konkreten ersten Schritt strebt der ÖVIH in Österreich die Möglichkeit von FSME-Schutzimpfungen in Apotheken an. Waren 2011 noch 70 Prozent der Bevölkerung korrekt gegen FSME geimpft, lag dieser Wert im vergangenen Jahr nur noch bei 28 Prozent. Darüber hinaus erhofft sich der Verband, über den Apothekenweg auch bestehende Lücken bei HPV-Impfungen schließen zu können.