Vor 40 Jahren verwandelte sich Sarajevo in eine olympische Bühne, die Geschichte schrieb. Der Glanz jener Winterspiele überstrahlt bis heute die späteren Kriegswunden.
Sarajevo erhielt am 18. Mai 1978 den olympischen Zuschlag, als sich das Internationale Olympische Komitee während seiner 80. Sitzung in Athen für die jugoslawische Stadt entschied. Die Bewerbung setzte sich gegen die Konkurrenz aus Sapporo (Japan) und Göteborg (Schweden) durch – ein historischer Erfolg für den Balkanstaat.
Vom 8. bis 19. Februar 1984 verwandelte sich Sarajevo dann in das Zentrum des Wintersports. Insgesamt gingen 1.272 Athletinnen und Athleten aus 49 Nationen an den Start. In sechs Sportarten – alpiner und nordischer Skilauf, Biathlon, Bob und Rodeln, Eishockey sowie Eiskunstlauf und Springen – kämpften die Sportler um olympisches Edelmetall.
Die großen Stars der Spiele kamen aus dem Eiskunstlauf. Das britische Eistanzpaar Jayne Torvill und Christopher Dean verzauberte die Zuschauer mit ihrer legendären Kür und holte Gold. Auch die ostdeutsche Ausnahmeathletin Katarina Witt begründete in Sarajevo ihren Ruf als eine der größten Sportikonen des ausgehenden 20. Jahrhunderts.
Für das Gastgeberland sorgte der slowenische Skirennläufer Jure Frank mit Silber im Riesenslalom für einen historischen Moment. Es war die erste Medaille bei Olympischen Winterspielen überhaupt für Jugoslawien – ein Meilenstein für den Wintersport des Landes.
Infrastruktureller Aufschwung
Die Ausrichtung der Winterspiele brachte einen enormen Infrastrukturschub für die Region. Neue Hotels entstanden, Seilbahnen und Skilifte wurden auf den Bergen Bjelasnica, Igman und Jahorina errichtet. In Sarajevo selbst wurden die Sportzentren Skenderija und Zetra gebaut. Auch das Verkehrsnetz erfuhr eine umfassende Modernisierung, was Sarajevo als Tourismus- und Sportdestination nachhaltig aufwertete.
Bei der Abschlusszeremonie vor 8.000 Zuschauern fand IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch bewegende Worte: „Auf Wiedersehen, liebes Sarajevo.“ Die Winterspiele von 1984 zählen zweifellos zu den bedeutendsten Ereignissen in der Geschichte Bosnien und Herzegowinas.
Kriegsfolgen
Die tragische Wendung kam mit dem Jugoslawienkrieg. Während der Aggression gegen Bosnien und Herzegowina wurden sämtliche olympischen Sportstätten zerstört. Einige harren bis heute ihrer Wiederherstellung. Seit Jahrzehnten wartet Sarajevo nun darauf, wieder einen internationalen Großwettbewerb ausrichten zu können.
Dennoch: Wer den Februar 1984 miterlebt hat, bewahrt die Erinnerung an jene magischen Winterspiele mit besonderer Emotion im Herzen.