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Auf der Ottakringerstraße trifft man sich wieder

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Hinter dem langen Namen stehen fünf Studenten, die den Kern der Organisation bilden. V.l.n.r.: Safet Gül, Kabir Sokullu, Salih Seferović, Medina Mumić, Hüseyin Gül. (Foto: Diva Shukor)

Der Slogan der Jugendorganisation “Brüderlichkeit und Einheit” lässt vermuten, welche Richtung die Mitglieder anstreben. Sind es bloß Jugo-Nostalgiker, Tito-Fans oder stecken andere Ziele hinter der bosnisch-herzegowinisch-österreichischen Jugend? 

Eine Organisation die bereits zwei Identitäten im Namen trägt, bietet Stoff für viele Widersprüche und Diskussionen. Hinter dem langen Namen stehen fünf Studenten, die den Kern der Organisation bilden. Die Gründer haben alle Wurzeln in Bosnien-Herzegowina. “Wir sind kein religiöser Verein. Wir verstehen uns als eine Plattform, die die Leute zusammenbringen soll. Leute deren Interesse sowohl an einem vereinten Bosnien-Herzegowina, als auch an einem friedlichen Zusammenleben in Österreich liegen”, sagt Kabir Sokullu.

“Wir verstehen uns als eine Plattform, die die Leute zusammenbringen soll”, erzählt Kabir Sokullu

Der Nachname des jungen Studenten lässt vermuten, dass seine Identität genauso vielfältig ist wie die österreichische Bundeshauptstadt. Die Mutter stammt aus Bosnien-Herzegowina, der Vater aus der Türkei, jedoch reichen auch seine Wurzeln in den Balkan. Die Eltern haben sich später dann in Wien gefunden. “Ich bin immer von der Frage irritiert, wer ich nun bin, Österreicher, Türke oder Bosnier. Man muss sich nicht entscheiden, eine hybride Identität hat auch Vorteile”, so Kabir. Ähnlich geht es auch seinem Freund Salih Seferović, die Mutter Österreicherin, der Vater Bosnier.

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Bosnien-Herzegowina ist das einzige Land der Region, welches einen wirtschaftlichen Aufschwung im Handel mit Österreich aufweist.

 

Seiner Meinung nach gibt es eine Lücke, betreffend Identität und Zusammenleben. “Österreich ist ein Zuwanderungsland. HIer gibt es viele Identitäten, die friedlich miteinander leben sollen”, so Seferović. Für ihn sei Bosnien-Herzegowina deshalb von Bedeutung, da es ein multi-ethnisches Land ist. Man könne viel vom Balkan-Land lernen, einerseits von der gesellschaftlichen Pluralität andererseits auch von den Fehlern der Politik.

Bei Fußballspielen werden die Fahnen gezückt,  dann hört der Spaß auf”, so Salih Seferović

Seit 2015 gibt es den Verein, deren Mitglieder sich über verschiedene Umwege kennengelernt haben. “Ich bin sowohl mit Serben als auch mit Kroaten zur Schule gegangen, wir sind gut miteinander ausgekommen. Doch sobald bei einem Fußballspiel die Fahnen gezückt wurden, hörte der Spaß auf”, erinnert sich Seferović. Um die Vorurteile und Barrieren in der Balkan-Community zu mindern, betreibe man Wissensgenerierung. Ihre Website und die Facebook-Seite füttern die Mitglieder mit eigenen Inhalten. Historisches Wissen, Fakten, Interviews, aber auch Aufklärungsarbeit, um den Dialog zu fördern.