
Muzej Jugoslavije ist auch bei Touristen beliebt
Die vielen westlichen Touristen hier kriegen diese innerserbischen und inner-exjugoslawischen Debatten nicht mit. Heute sind es vor allem Deutsche und Chinesen.
Sie interessieren sich für den untergegangenen Staat Jugoslawien und seinen langjährigen Präsidenten, wenngleich aus unterschiedlichen Perspektiven.
Für die Chinesen ist Jugoslawien ein radikal anderes Konzept des Sozialismus als China – wenngleich sich beide Staaten zumindest zeitweise auf ähnliche Weise ökonomisch durchgewurschtelt haben.
Wie China heute in wesentlich größeren Ausmaß hatte Jugoslawien seine Joint Ventures mit westlichen Großkonzernen und ließ etliche seiner offiziell selbstverwalteten Fabriken für den kapitalistischen Westen produzieren.
Die allermeisten deutschen Besucher interpretieren Jugoslawien durch ihren westlichen Blick auf die untergegangene DDR, gemildert durch positive Urlaubserinnerungen aus der Kindheit.

Wenn sie wüssten, dass Tito bis heute täglich Briefe bekommt?
Und welche Gefühle wohl viele haben mögen, wenn sie daran denken, dass hier die vorläufig letzte Ruhestätte eines sozialistischen Staatschefs ist? Finden sie es bizarr oder sehen sie es mit Sympathie? Denken sie an Erich Honecker oder an Willy Brandt? Oder gar an Lenin – was den allermeisten BRD-Gebürtigen wohl kalte Schauer über den Rücken liefen ließe.
Ich habe heute keine Zeit, diese Fragen zu stellen.
Kommen tun sie trotzdem, und mittlerweile in Scharen.
Das macht das Muzej Jugoslavije zu einer der touristischen Hauptattraktionen der Hauptstadt Serbiens und des untergegangenen Jugoslawien.
Titos Grab zu verlegen und hier ein Museum für serbische Geschichte nach revisionistisch-nationalistischer Lesart zu machen, würde dem eher nicht guttun.
Zu Teil 1 dieser Reportagereihe über den Aufschwung der Jugonostalgie geht es hier.
Balkan Stories, Christoph Baumgarten
Christoph Baumgarten ist Journalist und Balkanreisender aus Leidenschaft. Seit 2015 verbindet er beide Leidenschaften auf seinem Blog Balkan Stories. Dort versucht er, Geschichten zu erzählen, für die es in größeren Medien meist keinen Platz gibt und stellt die Menschen in den Mittelpunkt.
Mehr von Christoph könnt ihr unter balkanstories.net nachlesen.