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INTERVIEW

Barbara Novak – Wien und Sarajevo stärken ihre Brücken

Barbara Novak – Wien und Sarajevo stärken ihre Brücken
Fotos: WH International / Jasmin Agovic
7 Min. Lesezeit |
Fotos: WH International / Jasmin Agovic

Sie waren kürzlich in Sarajevo – was waren für Sie die wichtigsten Eindrücke und Erkenntnisse aus diesem Besuch? 
Barbara Novak: Sarajevo ist eine Stadt, mit der Wien seit Jahrzehnten eng verbunden ist. Diese Beziehung ist keine formelle Städtepartnerschaft, sondern eine gewachsene Vertrauensbeziehung, die von den Menschen, den Institutionen und ihrer Geschichte getragen wird.

Mich hat besonders beeindruckt, wie stark hier der Gedanke lebt, dass Entwicklung Zeit braucht. „Eile mit Weile“ ist dafür ein sehr passendes Bild. Denn nachhaltiger Fortschritt entsteht nicht über Nacht, sondern durch Vertrauen, Verlässlichkeit, Dialog und Partnerschaft auf Augenhöhe. Genau das verbindet Wien und Sarajevo. Inhaltlich spannend waren der Round Table „Healthcare Economics without Borders“ sowie die Gespräche bei der Berufsfeuerwehr, der Kantonsregierung und im Rathaus, also genau dort, wo Kooperationen konkret werden. 

Im Rahmen Ihrer Reise haben Sie sich mit Wirtschafts- und Innovationsakteuren ausgetauscht – welche konkreten Impulse konnten Sie daraus für Wien mitnehmen? 
Barbara Novak: Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Kooperationen am besten dort gelingen, wenn sie auf Vertrauen und Praxis basieren, wenn man klare Andockpunkte zwischen Unternehmen, Forschung und Verwaltung hat. Genau darum ging es beim Round Table: Schnittstellen identifizieren und praktische Kooperationsmöglichkeiten entwickeln, damit Unternehmen leichter expandieren, Pilotprojekte starten und Marktzugang finden können. 

Sehr greifbar wurde das auch durch den „Discover ViennaUP Travel Grants“ Preis: Wir holen zwei Start-ups für HealthTech-Projekte nach Wien, vernetzen sie gezielt und bauen so Brücken zwischen den Ökosystemen. Was ich auch mitnehme ist, dass der stärkste Standortfaktor am Ende immer der Mensch ist. Talent, Vertrauen, Zusammenarbeit, darauf basiert mein Ansatz, Fortschritt so zu gestalten, dass er nachhaltig wirkt. 


Das Treffen beider Delegationen führte zu zahlreichen konkreten Vereinbarungen.
Fotos: WH International / Jasmin Agovic

Inwiefern hat dieser Besuch die Zusammenarbeit zwischen Wien und der Balkanregion weiter gestärkt oder vertieft?
Barbara Novak: Der Besuch hat die Zusammenarbeit institutionell und operativ weiter vertieft. Die Kooperation mit Sarajevo entwickelt sich sehr positiv. Auch gibt es bereits sichtbare Ergebnisse, wie Unternehmen aus Bosnien sich in Wien angesiedelt haben. Außerdem wurde Sarajevo als erstes Mitglied aus der SEE-Region in das Scale Cities Netzwerk eingebunden. Diese Vernetzung wollen wir stärken, beispielsweise über ViennaUP und die konkrete Unterstützung wie die Travel Grants.

Politisch wurde diese Vertiefung auch durch den direkten Austausch mit lokalen Partner*innen sowie der nationalen wie kommunalen Politik, weil langfristige Zusammenarbeit immer von persönlichem Dialog und Vertrauen getragen wird.

Im Rahmen Ihres Besuchs haben Sie auch im Rathaus Gespräche mit dem Bürgermeister sowie Mitgliedern der Stadtregierung von Sarajevo geführt – welche Themen standen dabei im Mittelpunkt?
Barbara Novak: Im Mittelpunkt der Gespräche standen der gezielte Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Wien und Sarajevo in den Bereichen Wirtschaft und Innovation, die Stärkung von Start‑up‑Ökosystemen, Life Sciences und MedTech, aber auch um Digitalisierung und Ausbau der Lebensqualität auf kommunaler Ebene. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war die internationale Zusammenarbeit und der Zugang zu EU‑Programmen, insbesondere die Frage, wie Wien Sarajevo beim Andocken an bestehende europäische Initiativen unterstützen kann. 

Darüber hinaus wurden Cybersicherheit in der kommunalen Verwaltung, der Austausch bewährter Praktiken bei Schulungen von Mitarbeitenden sowie stadtentwicklungsbezogene Themen wie das Projekt „Saubere Miljacka“ und der Know‑how‑Transfer aus Wiener Renaturierungsprojekten besprochen.


Auch die kulinarische Seite Sarajevos kam nicht zu kurz: Barbara Novak kostete traditionelle Ćevapi.
Fotos: WH International / Jasmin Agovic

Welche konkreten Ergebnisse oder Perspektiven haben sich aus dem Austausch mit der Stadtführung von Sarajevo für die weitere Zusammenarbeit ergeben?
Barbara Novak: Ein zentrales Ergebnis ist das gemeinsame Bekenntnis, die Zusammenarbeit strukturiert und langfristig zu vertiefen. Konkret nehme ich die Zusammenarbeit in den Bereichen Healthcare, MedTech und Digitalisierung, sowie die Unterstützung bei Unternehmensansiedlungen, Expansion und Qualifizierung mit. Darüber hinaus wurde die Einbindung Wiens in internationale Formate der Stadt Sarajevo, etwa den Sarajevo City Summit im August 2026, thematisiert, ebenso wie eine stärkere Zusammenarbeit im Rahmen europäischer Netzwerke sowie Unterstützung bei der Weiterbildung der Kollegen der Berufsfeuerwehr in Sarajevo, mit der wir seit drei Jahrzehnten eine Zusammenarbeit pflegen.

Gemeinsames Ziel ist es, durch diese Kooperation nachhaltige Wertschöpfung, Innovation und Beschäftigung in beiden Städten zu fördern und das auf Basis von Vertrauen, Erfahrungsaustausch und konkreter Umsetzung. 

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KO KOSMO-Redaktion
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