Während andere Länder auf Inklusion setzen, geht Oberösterreich den umgekehrten Weg. Zwei neue Sonderschulen entstehen – ein Projekt, das Experten und Bildungspolitiker spaltet.
In Österreich zeichnet sich eine bildungspolitische Kehrtwende ab. Während in den vergangenen Jahrzehnten die schulische Inklusion von Kindern mit Behinderungen als fortschrittliches Bildungsmodell galt, werden nun in Oberösterreich zwei neue Sonderschulen errichtet. Die Befürworter dieses Projekts, über das seit einigen Wochen medial kontrovers diskutiert wird, rechtfertigen ihr Vorhaben mit langen Wartelisten und dem Wunsch zahlreicher Eltern, ihre Kinder in spezialisierten Einrichtungen unterrichten zu lassen.
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Elternwahlrecht in Frage
Die Argumentation der Projektverantwortlichen stützt sich dabei auf das gesetzlich verankerte Elternwahlrecht, das Erziehungsberechtigten von Kindern mit Behinderungen die Entscheidungsfreiheit zwischen Regel- und Sonderschule einräumt. Bei näherer Betrachtung erweist sich diese Begründung jedoch als problematisch. Der vermeintlich freie Elternwille unterliegt in der Praxis einem sogenannten Pull-Effekt (Sogwirkung spezialisierter Einrichtungen), der die tatsächliche Wahlfreiheit in Frage stellt.
Die wissenschaftliche Fachwelt positioniert sich mehrheitlich für integrative Bildungskonzepte in Regelschulen anstelle separierender Sonderschulmodelle.