⇢ Kunden überrascht: DAS wird in allen Lidl-Filialen eingeführt!
Während andere EU-Länder längst handeln, hinkt Österreich bei der Lebensmittelkennzeichnung hinterher. Nun macht Lidl Druck und führt den Nutri-Score für seine Eigenmarken ein.
Lidl Österreich treibt die Einführung des Nutri-Scores voran, nachdem das Nährwertkennzeichnungssystem nun auch im Regierungsprogramm verankert wurde. Der Lebensmittelhändler, der sich seit Jahren für eine einheitliche Kennzeichnung einsetzt, plant die schrittweise Implementierung bei seinen Eigenmarken.
Der Nutri-Score funktioniert als fünfstufiges Bewertungssystem mit den Buchstaben A bis E und einer Farbskala von Grün bis Rot. Diese visuelle Darstellung ermöglicht Verbrauchern eine schnelle Einschätzung der Nährwertqualität, besonders beim Vergleich ähnlicher Produkte innerhalb einer Kategorie. So lassen sich beispielsweise verschiedene Müslisorten auf einen Blick vergleichen – ein wichtiger Aspekt, da optisch ähnliche Lebensmittel erhebliche Unterschiede in ihrer Nährwertzusammensetzung aufweisen können.
Seit Ende 2023 arbeitet der Nutri-Score mit einem überarbeiteten Algorithmus. Die neue Berechnungsmethode bewertet kritische Inhaltsstoffe wie Zucker, Salz und gesättigte Fettsäuren strenger, während gesundheitsfördernde Komponenten wie Ballaststoffe und pflanzliche Inhaltsstoffe stärker gewichtet werden. Diese Anpassung spiegelt aktuelle ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse wider und ermöglicht eine präzisere Bewertung.
Lidls Umsetzungsplan
Lidl plant den Start mit ausgewählten Dauerartikeln österreichischer Eigenmarken wie „Alpengut“, „Wiesentaler“ und der Bio-Marke „Ein gutes Stück Heimat“. Zusätzlich soll die Kennzeichnung bei internationalen Eigenmarken, die teilweise bereits mit dem Nutri-Score versehen sind, ausgeweitet werden.
„In Österreich ist fast jeder zweite Erwachsene übergewichtig, auch bei Kindern ist Adipositas (Fettleibigkeit) ein wachsendes Problem.“ Der Lebensmittelhandel trägt zur Grundversorgung der Menschen bei und hat dadurch eine entsprechende Verantwortung“, betont Lidl. Der Nutri Score soll es Kunden in Zukunft noch leichter machen, ernährungsbewusst einzukaufen.
„Das Modell ist derzeit am besten entwickelt und bereits in anderen Ländern erprobt. Unbestritten gibt es für den Nutri Score auch weiterhin Verbesserungspotential, daher wird das Modell laufend überarbeitet und weiterentwickelt. Eine weitere Verzögerung von 5 bis 10 Jahren für die Entwicklung eines europäischen Nährwertkennzeichens könnte aufgrund steigender Volkskrankheiten dramatische Folgen für die öffentlichen Systeme aber auch für die Lebensqualität der Bürger haben“, führt Lidl in einer Aussendung weiter aus.
Kritik und Forderungen
Die Verbraucherorganisation foodwatch Österreich kritisiert die aktuelle Situation: „Während in vielen EU-Staaten wie Deutschland, Frankreich oder Belgien bereits zahlreiche Lebensmittel mit dem Nutri Score gekennzeichnet sind, dürfen österreichische Hersteller das Ampelsystem bislang nicht verwenden.“ Nach Aufnahme des Nutri-Scores ins Regierungsprogramm fordert die Organisation eine rasche gesetzliche Grundlage für die Verwendung in Österreich.
Eine Umfrage von foodwatch ergab, dass zwei der vier großen Lebensmitteleinzelhändler in Österreich den Nutri-Score befürworten und ihn umgehend auf ihren Eigenmarken einführen würden.
Indra Kley-Schöneich, Geschäftsführerin von foodwatch Österreich, äußert ihren Unmut: „Es kann nicht sein, dass Konsument:innen, die sich bewusst gesünder ernähren wollen, weiterhin Steine in den Weg gelegt werden. Und das in der Hochzeit von finanziell und gesundheitlich schwerwiegenden Zivilisationskrankheiten wie Adipositas und Diabetes Typ 2.“
Ein weiterer Kritikpunkt: Solange keine nationale Regelung existiert, dürfen nur importierte Produkte aus Ländern, in denen die Kennzeichnung erlaubt ist, den Nutri-Score tragen. „Österreichische Unternehmen bleiben hier außen vor. Dadurch entsteht nicht nur ein Wettbewerbsnachteil, sondern es fehlt Konsument:innen auch eine konsistente Orientierung im Supermarktregal“, kritisiert Kley-Schöneich.
Foodwatch Österreich hat eine Petition initiiert, mit der Verbraucher ihre Forderung nach Einführung des Nutri-Scores direkt an politische Entscheidungsträger richten können.
Zusätzlich stellt die Organisation auf ihrer Website einen Nutri-Score-Rechner zur Verfügung, mit dem Konsumenten schon jetzt die potenzielle Einstufung verschiedener Produkte ermitteln können.
Reaktionen der Branche und geplanter Zeitrahmen
Die Rewe-Gruppe, zu der Billa und Penny gehören, prüft derzeit die mögliche Einführung des Nutri-Scores auf ihren Eigenmarken. Gegenüber Branchenmedien betont der Konzern die Notwendigkeit klarer rechtlicher Rahmenbedingungen für eine flächendeckende Umsetzung, hat sich jedoch noch nicht zu einem konkreten Zeitplan bekannt.
Spar zeigt sich hingegen zurückhaltender und sieht weiterhin Verbesserungsbedarf beim Algorithmus des Nutri-Scores. Der Lebensmittelhändler setzt vorerst auf die bestehenden Nährwertangaben, signalisiert aber Offenheit für künftige gesetzliche Lösungen.
Laut Informationen aus dem Gesundheitsministerium ist mit einem Gesetzesentwurf zur freiwilligen Nutri-Score-Kennzeichnung noch im zweiten Halbjahr 2025 zu rechnen. Eine verpflichtende Einführung des Kennzeichnungssystems wird von Brancheninsidern frühestens für 2026 erwartet, was den Zeitdruck auf österreichische Hersteller und Händler weiter erhöht.