Wann entscheiden sich die Ärzte für eine Herztransplantation?
„Eine Transplantation wird dann gewählt, wenn alle klassischen Therapiemethoden, die die europäischen und die amerikanischen Kardiologenverbände empfehlen, erschöpft sind, d.h. dass alle Medikamente, Operationsmethoden und zusätzliche Geräte bereits eingesetzt wurden. Wenn der Patient dann dennoch in die Situation gerät, dass sein Herz ausgetauscht werden muss oder dass ihm ein künstliches Herz oder eine Herzpumpe, die eigentlich eine Brücke zur Transplantation bildet, eingesetzt werden muss, dann wird der Prozess gestartet. Der Patient unterzieht sich den wichtigsten Untersuchungen, denn man braucht alle seine Daten zur Blutgruppe, dem Gewebe, dem allgemeinen Gesundheitszustand, Laborwerte… Dieselben Angaben muss man auch von dem potentiellen Spender kennen, denn es darf nicht passieren, dass ein krankes Organ transplantiert wird oder dass die Person andere ernste Erkrankungen hatte.“
Werden noch immer Patienten aus unserer Region transplantiert?
„Die Möglichkeit einer Transplantation besteht im Prinzip nicht, solange die Länder, die nicht Mitglied von Eurotransplant sind, nicht einen Twinning-Vertrag unterzeichnen. Eine der gemeinsamen Missionen von Dr. Zuckermann und mir ist es, dass wir in Zukunft wie schon seit Jahren fortfahren, medizinische Brücken in unsere Region zu bauen. Für den Anfang müssen wir einen sogenannten Twinning-Vertrag mit den medizinischen Zentren in den Mitgliedsländern von Eurotransplant unterzeichnen.

Zur Erklärung: Wenn ein Transplantationszentrum in Belgrad einen Twinning-Vertrag mit dem AKH abschließt, werden diese Institutionen Partner. Das umfasst die Ausbildung des Personals und die Information der Transplantationspatienten, wobei die Zentren verpflichtet sind, Eurotransplant Organe anzubieten, wenn sie sie haben. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass ein Twinning-Vertrag eine Vorstufe zum Beitritt zu Eurotransplant ist. Eine EU-Mitgliedschaft ist dafür keine Voraussetzung. In der nächsten Phase ist es wichtig, dass der Staat beim Beitritt zu Eurotransplant dieselben Gesetze verabschiedet, die auch sein Twinning-Partner hat. In Österreich ist jeder Bürger ein potentieller Spender, sofern er nicht zu Lebzeiten unterschrieben hat, dass er das nicht möchte. Dennoch wird in besonders sensiblen Fällen die Familie einbezogen und ihre Entscheidung respektiert.
Bei uns haben die Menschen aufgrund der furchtbaren Ereignisse in der jüngeren Vergangenheit Angst.
„Bei Eurotransplant gibt es sicher keine Manipulation mit den Organen. An jedem einzelnen Transplantationsfall ist ein ganzes Team hochspezialisierter Ärzte beteiligt, die häufig aus verschiedenen Ländern kommen. Das ist ein Prozess, in dem jeder Schritt und jede Minute bis ins kleinste Detail abgestimmt und geplant sind, da gibt es keinen Raum für Manipulationen und kriminelle Handlungen. Die Organe werden Patienten entnommen, bei denen der Hirntod eingetreten ist, und das muss ein ärztliches Konsilium aus einem Neurologen, einem Anästhesisten und einem Intensivmediziner feststellen.
Da werden die Potentiale des Gehirns und alle sonstigen Vitalzeichen analysiert. Wenn festgestellt wird, dass das Gehirn unheilbar geschädigt ist und dass es die Vitalfunktionen des Organismus nicht mehr unterstützen kann, wenn absolut keine Möglichkeit einer Regeneration besteht, beschließt das Konsilium, dass der Patient hirntot ist. D.h. das System ist transparent und von den Gesetzen und der Ethik geleitet, daher besteht kein Grund, sich zu fürchten. Man darf nicht vergessen, dass mit den Transplantationen Leben gerettet werden, was die Fälle belegen, von denen es unter uns immer mehr gibt.“