Österreich trifft auf das makellose Spanien – und Rangnick hat bereits einen unerwarteten Lehrmeister für dieses Duell gefunden.
Am Vorabend des Duells in Los Angeles ließ Ralf Rangnick keinen Zweifel daran, wie er die bisherige K.-o.-Runde einschätzt. „Was die Play-offs bisher gezeigt haben, war, dass die Spiele alle extrem eng waren“, sagte der Trainer der österreichischen Nationalmannschaft. „Wir wollen auch dafür sorgen, dass es eines der ganz, ganz engen Spiele wird.“
Als Blaupause für die eigene Herangehensweise dient Rangnick ausgerechnet ein Gegner, der bereits ausgeschieden ist. Uruguay hatte Spanien in der Gruppenphase mit kompromissloser Körperlichkeit in Bedrängnis gebracht – am Ende reichte es für die Spanier nur zu einem 1:0. „Es gab in diesem Spiel nicht so viele klare Torchancen, die sich Spanien herausgespielt hat“, analysierte Rangnick. Der Grund dafür sei Uruguays mutiger, körperbetonter und aggressiver Auftritt gewesen.
Klare Leistungsforderung
Genau das erwartet er nun auch von seinem Team. „Wir werden alles dafür tun, alles in die Waagschale werfen, was die Mannschaft im Tank und in petto hat“, versprach er. Dass es dafür einer Leistungssteigerung bedarf, sieht Rangnick klar: „Dass wir jetzt eine Leistungssteigerung brauchen, dass wir Schritte nach vorne machen müssen, das sehe ich genauso. Wir brauchen wieder ein Spiel, in dem wir über uns hinauswachsen.“
Das charakteristische Pressing der Österreicher kam im bisherigen Turnierverlauf nicht durchgängig zur Geltung. Rangnick relativierte jedoch: „Ich finde, dass wir es in Phasen geschafft haben.“ Zudem verwies er auf den zweiten Gruppenplatz und sechs erzielte Treffer. Auf das Etikett einer reinen Pressing-Mannschaft will er sein Team ohnehin nicht reduzieren – die drei Tore beim 3:3 gegen Algerien seien schließlich „brillant rausgespielt“ worden.
Die Frage nach dem körperlichen Zustand einzelner Spieler wollte Rangnick nicht weiter vertiefen. „Ob Spieler fit sind, liegt nicht im Bereich der Nationalmannschaft“, stellte er klar. Verantwortung trügen die Spieler selbst sowie ihre Vereine. Aus Erfahrung wisse er: „Meiner Erfahrung nach kann man hier beim Team eher zu viel machen als zu wenig.“
Yamal im Fokus
Nach einer langen Klubsaison und dem emotionalen WM-Qualifikationsspiel gegen Bosnien brauche es Zeit, um wieder in den gewohnten Rhythmus zu finden. „Es gibt unterschiedliche Situationen, aus denen die Spieler kommen“, sagte Rangnick. Der Gegner ist dabei alles andere als ein leichtes Los: Spanien hat im gesamten Turnierverlauf noch kein Gegentor kassiert und zählt zu den spielstärksten Nationen der Welt. Besondere Aufmerksamkeit gilt Lamine Yamal. „Wir müssen schauen, dass wir ihm wenig Raum geben, wenig Möglichkeiten, ins Tempodribbling zu kommen“, so Rangnick.
Für Österreich ist es das erste K.-o.-Spiel bei einer Weltmeisterschaft seit 1954 – eine Dimension, die auch Rangnick nicht unberührt lässt. „Für uns ist es natürlich ein besonderes Spiel“, sagte er. Mit seinem 49. Länderspiel als Cheftrainer übertrifft er seinen Vorgänger Franco Foda und zieht mit Leopold Stastny gleich.
Sein Punkteschnitt von 1,94 pro Partie ist der höchste, den ein ÖFB-Cheftrainer mit mindestens zehn verantworteten Länderspielen je erreicht hat.
Anpfiff zum WM-Sechzehntelfinale zwischen Österreich und Spanien ist heute um 21 Uhr, die Live-Übertragung beginnt bereits ab 19 Uhr bei ServusTV und im kostenlosen Livestream auf ServusTV On.