Das Klimaphänomen El Niño dürfte sich in den kommenden Monaten weiter verstärken. Nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) von September 2026 wird es voraussichtlich bis Anfang 2027 anhalten. Veränderungen bei Temperaturen und Niederschlägen können regional die Bedingungen für jene Mücken verbessern, die das Dengue-Virus übertragen. Wie stark die Fallzahlen dadurch steigen könnten, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Übertragen wird Dengue vor allem durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti, aber auch durch die Asiatische Tigermücke Aedes albopictus. Wärme, Feuchtigkeit und geeignete Brutplätze beeinflussen die Ausbreitung. Die Folgen von El Niño unterscheiden sich allerdings je nach Region: Nicht überall entstehen automatisch günstigere Bedingungen für die Übertragung.
Wie groß die Krankheitslast bereits ist, zeigen die Zahlen der Weltgesundheitsorganisation WHO: Für 2024 wurden weltweit mehr als 14,6 Millionen Dengue-Fälle und über 12.000 Todesfälle gemeldet – ein Rekord. Die tatsächliche Zahl der Infektionen liegt deutlich höher, weil viele Erkrankungen mild verlaufen oder nicht erfasst werden.
Aktuelle Fallzahlen
Für 2026 verzeichnete die europäische Gesundheitsbehörde ECDC bis zum 31. Juli weltweit mehr als 1,5 Millionen gemeldete Fälle und über 500 Todesfälle. Nach ihrer Auswertung lag die Zahl damit unter jener des entsprechenden Vorjahreszeitraums. Die verfügbaren Daten belegen somit keinen aktuellen weltweiten Höchststand. Sie sind allerdings vorläufig und hängen davon ab, wie vollständig einzelne Länder ihre Fälle erfassen und melden.
Dengue kommt vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor. Besonders stark betroffen war im Rekordjahr 2024 die WHO-Region Amerika mit mehr als 13 Millionen gemeldeten Fällen. Auch in Europa treten örtliche Übertragungen auf. In der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum außerhalb der überseeischen Gebiete wird jedoch die große Mehrheit der Fälle bei Reisenden festgestellt, die sich andernorts infiziert haben.
Klima als Risikofaktor
El Niño allein entscheidet nicht darüber, ob es zu einem Dengue-Ausbruch kommt. Neben den klimatischen Bedingungen beeinflussen unter anderem die Bevölkerungsdichte, Mobilität, Wasserspeicherung und die Leistungsfähigkeit der Gesundheitssysteme das Infektionsgeschehen. Eine belastbar belegte Prognose, wie viele zusätzliche Infektionen das aktuelle El-Niño-Ereignis weltweit verursachen könnte, liegt diesem Beitrag nicht zugrunde.
Maßnahmen gegen Dengue
Zu den wichtigsten Maßnahmen zählt die Beseitigung von Brutstätten: Behälter, in denen sich Wasser sammelt, sollten regelmäßig geleert, gereinigt oder abgedeckt werden. Da die übertragenden Mücken tagsüber aktiv sind, spielen auch Mückenschutzmittel, bedeckende Kleidung und Fliegengitter eine wichtige Rolle.
Daneben wird bereits die Wolbachia-Methode eingesetzt. Das World Mosquito Program setzt dafür gezüchtete Mücken frei, die diese Bakterien tragen. Dadurch können sie Dengue-Viren schlechter übertragen. Ziel dieses Verfahrens ist es, die Übertragung zu verringern – die Mückenpopulation selbst wird dabei nicht reduziert.