Timmy ist frei – doch die Rückkehr des Rettungsschiffs brachte schwere Vorwürfe ans Licht, die für Aufruhr sorgen.
Kaum war der Beluga-Wal Timmy in die Freiheit entlassen worden – früher als ursprünglich vorgesehen –, nahm die Geschichte rund um das Transportschiff „Fortuna B“ eine neue, unerwartete Wendung. Noch an Land angekommen, wandte sich Tierärztin Dr. Kirsten Tönnies (58) in einem Interview mit der BILD mit scharfen Worten gegen die Crew des Schiffes.
Kurz vor 23 Uhr lief die „Fortuna B“ schließlich in den Hafen ein – begleitet vom Polizeischiff „Helgoland“. Weshalb die Wasserschutzpolizei einen Teil des Hafenbereichs absperrte, blieb zunächst offen. Unmittelbar nach dem Anlegen verließ Dr. Tönnies das Schiff und schilderte die Atmosphäre der vergangenen zwei Tage als „mulmig“ und „unangenehm“.
Vorwürfe an Bord
Nach Darstellung der Tierärztin herrschte an Bord ein Klima der Isolation. Der Kapitän habe jegliche Kommunikation verweigert und ihr sogar mit Arrest gedroht. Als besonders erschütternd bezeichnete Tönnies eine Aussage, die ihr gegenüber über den Wal gefallen sein soll: „Endlich, das Mistvieh ist jetzt weg, das ist die Hauptsache, nächstes Projekt“.
Eigentlich hätte der Schlepper bereits am Montag um 18:00 Uhr in Cuxhaven festmachen sollen. Stattdessen änderte das Schiff mehrfach seinen Kurs – möglicherweise, um einem aufziehenden Gewitter auszuweichen, das auf Wetterkarten anhand von Blitzen erkennbar war. Gegen 21:30 Uhr drehte die „Fortuna B“ erneut ab, diesmal in Richtung Wilhelmshaven. Zeitweise war das Schiff auf Plattformen wie Vesselfinder nicht mehr auffindbar, da der Tracker offenbar deaktiviert worden war – was Spekulationen nährte, der Kapitän habe den Kontakt zur wartenden Presse vermeiden wollen.
Timmys Freilassung
Bei der Freilassung selbst war Tönnies nach eigenen Angaben nicht zugegen. Ihr wurde jedoch berichtet, dass Timmy mithilfe von Seilen an der Fluke (Schwanzflosse) rückwärts ins Wasser gezogen worden sei. Verletzungen am Maul des Tiers, die sie im Nachhinein feststellte, veranlassten sie zu scharfer Kritik an dieser Vorgehensweise – sie bezeichnete die Methode als „gegen die Natur der Tiere“.
Tatsächlich gilt in der Meeresbiologie die Regel, gestrandete Wale niemals an der Fluke zu ziehen, da die Schwanzflosse nur über Bindegewebe und Muskulatur mit dem Rest des Körpers verbunden ist und dadurch schwere Verletzungen drohen.
Von Seiten der Crew wurden unterdessen Vorwürfe laut, Tönnies habe interne Informationen nach außen weitergegeben. Constanze von der Meden, Anwältin der Rettungsinitiative, erklärte am Abend, man sei dabei, die Probleme mit dem GPS-Tracker zu klären.