Buckelwal „Timmy“ ist frei – doch Erleichterung sieht anders aus. Zwischen Hoffnung und technischem Versagen bleibt die Lage brisant.
Nach stundenlanger Ungewissheit über den Verbleib des Buckelwals „Timmy“ zeichnet sich eine erste, zaghafte Entspannung ab: Der am Morgen im Skagerrak freigelassene Wal scheint zumindest gelegentlich Signale über seinen Peilsender zu senden. Allerdings bringt diese Entwicklung neue Komplikationen mit sich. Seit der Freilassung befindet sich das Tier im offenen Meer – sein genauer Aufenthaltsort blieb lange vollständig unbekannt. Wie die „Bild“ berichtet, übermittelt der Sender die Positionsdaten mittlerweile zumindest in unregelmäßigen Abständen.
Hinter den Empfangsproblemen steckt möglicherweise ein biologisch bedingtes technisches Dilemma. Wale sind als Meeressäuger gezwungen, regelmäßig an die Oberfläche zu kommen – genau dieser Atemvorgang unterbricht jedoch den für den Sender notwendigen Wasserkontakt. Hinzu kommt, dass das Gerät Positionsdaten ausschließlich an der Wasseroberfläche übertragen kann. Taucht der Wal nur kurz auf und ist die Netzabdeckung in diesem Moment unzureichend, reicht das Zeitfenster für eine erfolgreiche Datenübertragung schlicht nicht aus. Initiatorin Karin Walter-Mommert hatte laut „Bild“ bereits zuvor erklärt, man warte darauf, dass der Tracker „anspringt“.
Lückenhafte Datenlage
Nach Angaben der „Bild“ sendet das Gerät nach wie vor nicht kontinuierlich. Eine mögliche Ursache könnte eine Beschädigung beim Verlassen der Barge sein. Dennoch deuten die vereinzelt eingegangenen Daten darauf hin, dass sich der Wal in eine günstige Richtung bewegt.
Für Fachleute bleibt die lückenhafte Datenlage ein gravierendes Problem. Walforscher Fabian Ritter hatte gegenüber der „Bild“ bereits im Vorfeld gewarnt: „Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe.“ Auch mit den nun sporadisch eintreffenden Signalen ist eine verlässliche Einschätzung des Tierverhaltens kaum möglich. Ohne stabile Übertragung lässt sich der Erfolg der gesamten Mission nicht seriös beurteilen.
Unabhängig von den technischen Schwierigkeiten bleibt die Situation für den Wal selbst angespannt. Das Tier wurde in einem stark frequentierten Schifffahrtskorridor freigelassen und gilt weiterhin als geschwächt. Kritiker hatten bereits im Vorfeld darauf hingewiesen, dass eine zunehmende Entfernung von der Küste allein noch keine Rettung bedeutet.
Ministerien-Streit
Gleichzeitig wächst der Druck auf die verantwortlichen Stellen. Trotz der ersten Signale liegen die angekündigten umfassenden Tracking-Daten weiterhin nicht vor. Wie die „Bild“ berichtet, hat das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern die Daten mehrfach eingefordert. Sprecherin Eva Klaussner-Ziebarth erklärte demnach, dass diese bislang nicht übermittelt worden seien.
Die Rettungsaktion für Buckelwal Timmy wurde von einer privaten Initiative durchgeführt. Auch der Meeresaktivist Robert Marc Lehmann meldete sich nach der Freilassung öffentlich zu Wort. In einer Instagram-Story schrieb er: „Good luck. Have fun. Don’t die“ – verbunden mit Kritik an den bisherigen Abläufen der Rettungsaktion, die er bereits zuvor als „unkoordiniert“ bezeichnet hatte.
Trotz der anhaltenden Kritik plädiert Walforscher Fabian Ritter für eine differenzierte Betrachtung. Die Freilassung sei lediglich ein erster Schritt. Der Wal scheine zwar zunächst „ganz gut zurechtzukommen“, entscheidend seien jedoch die kommenden Tage. Ohne verlässliche Senderdaten bleibt genau das weitgehend im Verborgenen.