Start NEWS Chronik Erste Corona-Impfung: Experten besorgt, international großes Interesse
RUSSLANDS IMPFSTOFF "SPUTNIK V"

Erste Corona-Impfung: Experten besorgt, international großes Interesse

(FOTOS: Facebook/Vladimir Putin, iStockphoto)

Russland hat als erstes Land der Welt einen Impfstoff gegen das Coronavirus für die breite Bevölkerung zugelassen. Präsident Putin spricht von einem großen Erfolg, Experten zeigten sich weltweit besorgt. Dennoch gibt es bereits erste Interessenten für den Impfstoff.

Am Montag wurde in Russland als erstes Land der Welt der Corona-Impfstoff „Sputnik V“ zugelassen, wie Präsident Wladimir Putin während einer Videokonferenz verkündete. Damit hält sich der Präsident penibelst genau an seinen angekündigten Zeitplan: Er hatte vor zwei Wochen bereits angekündigt den entwickelten Impfstoff spätestens am 10. August zulassen zu wollen (KOSMO berichtete).

Testphase III ausgelassen
Dieser Schnellstart gelang Russland, da der Impfstoff zugelassen wurde, ohne die vorgesehene Wirksamkeitsprüfung (Phase III) durchzuführen. Russlands Zulassung widerspricht damit dem internationalem Vorgehen: Bei der Entwicklung eines Impfstoffs setzt die Forschung auf ein Vorgehen in drei Stufen, bei denen Verträglichkeit, Sicherheit, Wirksamkeit und die Anwendbarkeit getestet und nach und nach immer mehr Probanden hinzugezogen werden. In Phase III wird überprüft, ob ein Wirkstoff tatsächlich vor einer Infektion schützt und welche Nebenwirkungen auftreten.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte im Vorfeld bereits klar: „Jeder Impfstoff muss natürlich alle Versuchsreihen und Tests durchlaufen, bevor er genehmigt und ausgeliefert wird.“ Es gebe klare Richtlinien für die Entwicklung von Impfstoffen. Die WHO forderte Russland auch auf, sich an diese Richtlinien zu halten. Die letzte Phase der klinischen Studien zur Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit werde laut Kreml zwar fortgesetzt, allerdings soll die Impfung nach Behördenangaben bereits im August oder September beginnen. Auch die industrielle Produktion soll im September starten.

Internationale Experten schlagen Alarm, Putin überzeugt von Wirksamkeit
Die gesamte Vorgehensweise ist mit ein Grund, weshalb sich bereits viele Experten weltweit kritisch zu dem zugelassenen Impfstoff geäußert haben. Die österreichische Vakzinologin Ursula Wiedermann-Schmidt (MedUni Wien) ist überzeugt, dass eine Zulassung bereits nach Phase II „offenbar nur in Russland möglich“ sei. Für den Präsidenten der deutschen Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt sei es „unverantwortlich, ganze Bevölkerungsgruppen bereits in diesem Stadium der Entwicklung zu impfen“ und auch renommierte Mediziner in den USA warnen: „Aktuell würde ich mir den Impfstoff nicht verabreichen lassen. Ganz sicher nicht außerhalb einer klinischen Versuchsreihe“, sagte Scott Gottlieb, der frühere Chef der US-Behörde für Lebensmittel und Arzneimittel-Sicherheit (FDA).

Wladimir Putin zeigt sich unterdessen überzeugt von dem Corona-Wirkstoff: „Ich weiß, dass die Impfung wirksam ist, dass sie eine dauerhafte Immunität gibt“. Die Impfung, die vom Moskauer Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie entwickelt worden war, habe „alle erforderlichen Prüfungen“ bestanden und ermögliche eine dauerhafte Immunität, sagte Putin. Eine seiner Töchter sei bereits geimpft worden. Sie habe kurz eine leicht erhöhte Temperatur entwickelt, „das war alles“.

Und auch andere Länder scheinen – trotz fehlenden Daten zur Wirksamkeit – von dem Corona-Impfstoff überzeugt zu sein. Man habe in Russland bereits aus folgenden Ländern erste Anfragen erhalten.

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