Keine Artikel gefunden
Versuche einen anderen Suchbegriff
REPORTAGE

Erwachsenwerden ist wirklich nicht leicht

Erwachsenwerden ist wirklich nicht leicht
(Foto: iStock)
19 Min. Lesezeit |

Jasna Sandić (43), Pädagogin
In der Waldorfschule in Wien führt Jasna eine Klasse von der ersten bis zur achten Schulstufe und ist ihre Klassenvorständin.

(Foto: zVg.)


KOSMO: Stellen Sie bei den Kindern Veränderungen fest, wenn sie ins jugendliche Alter kommen?


Jasna Sandić: Ja, und zwar große! Das passiert ungefähr in der vierten Klasse. Bis dahin üben sie keine Kritik an ihrer Umgebung, aber ab dem zehnten Geburtstag beginnen sie, andere Fragen zu stellen, werden unsicher und erleben den Raum und sich selber im Raum auf ganz andere Weise. Wir helfen ihnen, ihren neuen Platz in der Welt aus eigener Kraft zu finden.

KOSMO: Werden die Kinder in diesem Alter aufsässig?


Das kommt etwas später, mit 13–14 Jahren, und das ist normal und sogar erwünscht. In diesem Alter ist es ihnen wichtig, einen festen Halt zu haben und gleichzeitig Grenzen auszutesten und zu erweitern. Meine Rolle als Pädagogin ist es, ihnen den Raum zu geben, in dem sie das ausprobieren können, aber auf eine Weise, die ihnen nicht schadet. Wenn sie diesen Raum zu Hause oder in der Schule nicht bekommen, gleiten sie leicht in Peergewalt und Abhängigkeit ab und können der Umwelt und sich selbst gegenüber destruktiv werden.


KOSMO: Reagieren manche Kinder aggressiv?


Ja, auch das kommt vor. Ich will mich mit solchen Kindern nicht auf Machtspiele einlassen, aber ich erkläre ihnen, dass ich als Unterstützung, Gesprächspartnerin und Freundin hier bin und dass wir, wenn wir es nicht so probieren, nichts erreichen werden. Zum Glück sind das seltene Situationen. Mir erleichtert die Tatsache alles, dass ich diese Kinder und ihre Familien seit der ersten Klasse kenne, denn wir kommunizieren auch intensiv mit den Eltern.

KOSMO: Wie reagieren Sie, wenn Sie bei einem Kind abweichendes Verhalten wahrnehmen?


Wenn ein Kind aufhört, die Hausaufgaben zu machen, rede ich mit ihm. In diesem Alter wissen sie schon, dass ein bestimmtes Verhalten auch Konsequenzen nach sich zieht. Ich erkläre ihnen, welche Folgen sie erwarten, wenn sie im Stoff zurückbleiben, und dass sie sich nur selber Schwierigkeiten bereiten. Ich schlage dann eine gemeinsame Vereinbarung vor, die wir abschließen können, oder dass ich alternativ ihre Eltern anrufen würde, was ich ihnen deutlich ankündige. Da ich das Kind als gleichberechtigten Gesprächspartner behandle, trägt das immer Früchte. Aber wenn ich bemerke, dass ein Kind soziale oder emotionale Probleme hat, dann spreche ich immer mit den Eltern und den Kollegen. Wir vereinbaren miteinander, wie wir vorgehen, und wenn wir glauben, dass es nötig ist, schicken wir das Kind zu einem klinischen Psychologen, der mit ihm zahlreiche Tests durchführt. Aufgrund der Resultate weiß ich dann, wie ich weiter mit diesem Kind arbeiten kann.

KOSMO: Was raten Sie Eltern zum Thema Suchtprävention?


Meine erste Empfehlung ist: Hören Sie Ihren Kindern zu! Wenn man sich das zur Gewohnheit macht, wird man schnell bemerken, wenn die Dinge in eine falsche Richtung laufen. Als Prävention empfehle ich, sinnvolle Aktivitäten zu finden, mit denen sich das Kind beschäftigen kann, egal, ob das Sport, Kunst, die Mitarbeit in Entwicklungsgruppen oder etwas anderes ist. In Skandinavien gab es unter den Teenagern ein Problem mit Alkohol und Drogen. Eltern und Schulen haben dort außerschule Aktivitäten organisiert und sie von der Straße geholt, was sich wirklich als heilsam erwiesen hat. Kinder müssen schöne und sinnvolle Beschäftigungen um sich haben, die ihre Entwicklung positiv beeinflussen, und wir müssen uns mehr Zeit für sie nehmen und ihnen zeigen, wie wichtig sie uns sind.

Lesen Sie mehr auf der nächsten Seite!

Unabhängiger Journalismus braucht Unterstützung

Guter Journalismus entsteht nicht nebenbei. Gründliche Recherche, sorgfältige Faktenprüfung und eine kritische Einordnung brauchen Zeit, Erfahrung und Ressourcen. Damit wir weiterhin unabhängig berichten können – frei von politischem oder wirtschaftlichem Einfluss – sind wir auf deine Unterstützung angewiesen.

Hilf mit, unabhängigen Journalismus zu sichern.
KO KOSMO-Redaktion
Teilen