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REPORTAGE

Erwachsenwerden ist wirklich nicht leicht

Erwachsenwerden ist wirklich nicht leicht
(Foto: iStock)
19 Min. Lesezeit |

Nikola Poljak (32), Sozialarbeiter
Nikola ist Bezirksrat im 10. Wiener Bezirk und arbeitet mit Kindern im Alter von sechs bis 16 Jahren.

(Foto: zVg.)


KOSMO: Was macht ein Sozialarbeiter im 10. Bezirk?


Nikola Poljak: In der Gemeinde halten wir Besprechungen mit den städtischen Institutionen und Organisationen ab, um das Leben der Bürger, vor allem der Kinder, zu verbessern. Wir wollen ihren Alltag sicher machen und sie vor verschiedenen Gefahren schützen, die im öffentlichen Raum drohen können. Daher reagieren wir, wenn wir Informationen über mögliche Probleme erhalten. Bei uns gibt es gut ausgebildete Teams, die das tun, und durch koordiniertes Handeln bemühen wir uns, dem Missbrauch von Alkohol und Drogen sowie allen Formen des Mobbings und der Gewalt entgegenzutreten.


KOSMO: Wie viel wird in Ihren Strukturen über die Probleme Jugendlicher geredet?


Das ist bei uns immer häufiger Thema, weil wir festgestellt haben, dass sich bei einigen Aktivitäten die Altersgrenze verschiebt. Was früher für Kinder zwischen 14 und 16 Jahren typisch war, wird jetzt schon bei Zwölfjährigen normal. Allerdings werden ernsthafte Gesetzesverstöße erst ab dem vollendeten 14. Lebensjahr geahndet. Darum müssen wir ein gutes Modell finden, um den Kindern zu helfen, denn die machen keinen Blödsinn, weil ihnen langweilig ist, sondern weil etwas nicht in Ordnung ist.

KOSMO: Mit welchen Problemen sind Sie bei diesen Kindern am häufigsten konfrontiert?


Leider kommt es oft vor, dass die Eltern den richtigen Kontakt zu den Kindern verlieren und nicht den Einfluss haben, den sie gerne hätten. Jeder Fall ist eine Geschichte für sich und alle sind gleichermaßen schwer. Es kommt vor, dass Kinder von zu Hause weglaufen, dass sie draußen schlafen oder dass sie Zuflucht zu Selbstverletzungen nehmen. All das sind Anzeichen, dass sie Hilfe brauchen.


KOSMO: Wo geschehen die meisten Selbstverletzungen?


Das ist ein intimer Akt und Kinder greifen dazu, wenn sie nicht wissen, wie es weitergehen soll. Meistens passiert das zu Hause. Wenn es sich um eine psychische Erkrankung handelt, passiert es auch im öffentlichen Raum und sogar in der Schule. Es ist sehr wichtig, dass Eltern, Schul-Sozialarbeiter und Lehrer beobachten, dass da etwas passiert, und dass sie rechtzeitig reagieren. Leider waren die Kinder während der Pandemie zu Hause eingesperrt, und wenn es in dieser Zeit zu familiären Problemen und Streitereien gekommen ist, hat sich das alles angestaut und die Folgen können jetzt schlimm sein.


KOSMO: Wie gehen Sie als Sozialarbeiter mit Kindern um, bei denen Sie Probleme feststellen?


Wichtig ist, dass sich das Kind bei mir sicher fühlt. Ich beginne mit unverfänglichen Themen und weiß am Anfang nie, wohin uns das führen wird. Ich gehe mit ihnen im Park spazieren, versuche, ihr Vertrauen zu gewinnen, und wenn sie merken, dass ich ehrliches Interesse habe, öffnen sich die Kinder und beginnen über das zu sprechen, was sie quält. Natürlich folgt dann ein Gespräch mit den Eltern, was nicht immer leicht ist, denn einigen von ihnen macht unsere Intervention Angst. Das ist auch mit einer Angst vor dem Jugendamt verbunden.

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KO KOSMO-Redaktion
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