KOSMO: Gibt es Gewalt unter Jugendlichen und was kann man dagegen unternehmen?
Leider bekomme ich in Meetings mit den Leitungen von Institutionen und Schulen die Information, dass das immer mehr wird. Alles beginnt mit Provokationen, die sich zu Konflikten auswachsen, und das weckt Besorgnis. Es bräuchte viel mehr Geld, um dagegen anzugehen. Es wäre sehr gut, wenn man jedem Kind irgendeinen Sport- oder Musik- und sonst einen Kurs zahlen könnte. Man muss ihnen die Möglichkeit geben, sich in verschiedenen Bereichen auszuprobieren, damit sie selber herausfinden können, dass sie ihnen taugen. Sie werden sich den Platz im Sportverein oder in der Musikband sichern, wenn sie wissen, dass er von ihrem Verhalten abhängt.
Ich kenne viele Kinder, die Boxen und andere Kampfsportarten trainieren, und wenn die Trainer ihnen sagen, dass sie das, was sie gelernt haben, nicht außerhalb der Sporthalle an ihren Altersgenossen anwenden dürfen, dann tun sie das auch wirklich nicht. Es braucht möglichst viele außerschule Aktivitäten, bei denen sie Freunde gewinnen und überschüssige Energie abbauen. Kinder flüchten sich in Aggression, denn sie haben nichts zu verlieren. Das Problem ist, dass das alles viel kostet. Heute wissen die Eltern oft nicht, wie sie die Heizung und den Strom zahlen sollen, geschweige denn zusätzliche Kosten für die Kinder. Wenn das Geld knapp wird, steht das nicht auf der Prioritätenliste.
KOSMO: Wie sehr fördern die sozialen Netzwerke bei Kindern Fehlverhalten?
Als Problem sehe ich die Tatsache, dass die Kinder nicht kompetent genug sind für die sozialen Netzwerke. Ich meine, dass die Eltern, die Schule und die Sozialarbeiter ihnen die Gefahren, die dort lauern, beizeiten erklären müssen. Meine Erfahrungen beziehen sich hauptsächlich auf Mobbing, das mit dem Missbrauch von Videos oder Fotos eines Kindes durch eine Gruppe beginnt, am häufigsten in der Schule.
Solche Situationen können die Kindheit zerstören und es ist sehr wichtig, den Jugendlichen zu zeigen, wie sie sich schützen können. Die Lehrer haben nicht genug Zeit, auf diese Themen einzugehen, denn sie müssen den Lehrplan erfüllen. Daher wäre es ideal, wenn jede Schule einen Sozialarbeiter oder einen Beratungslehrer hätte. Mit mehr solchen Programmen, wie wir sie im 10. Bezirk umsetzen, wären unsere Kinder gesünder, geschützter und glücklicher.
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