Der ESC sorgt für Überraschungen: Außenseiter ziehen ins Finale ein, Favoriten scheitern. Die Prognosen wackeln – was bedeutet das für Österreichs Hoffnungsträger JJ?
Zehn ESC-Finalisten haben am Dienstag den Sprung in die Endrunde geschafft – mit Ergebnissen, die bei Wettanbietern für Stirnrunzeln sorgten. Die portugiesische Band „Napa“ qualifizierte sich völlig unerwartet für das Finale am Samstag, obwohl ihre Siegchancen laut Buchmachern bei weniger als einem Prozent liegen.
Auch San Marino und Island überraschten die Experten. Beide Teilnehmer galten vor dem Halbfinale als klare Außenseiter ohne realistische Chance auf ein Weiterkommen. Dennoch durften sowohl Gabry Ponte als auch das Brüderduo Vaeb auf der berühmten Wartecouch ihren Finaleinzug feiern.
Für Belgien endete der Wettbewerb hingegen vorzeitig. Red Sebastian, der von vielen Beobachtern als möglicher Geheimfavorit gehandelt wurde, muss unverrichteter Dinge die Heimreise antreten.
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Überraschende Qualifikationen
Diese überraschende Entwicklung wirft nun Fragen für Österreichs ESC-Hoffnung JJ auf. In den aktuellen Wettquoten rangiert der österreichische Beitrag ganz vorne und liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Schweden um die Favoritenrolle. Doch wie das erste Halbfinale deutlich zeigte, haben Prognosen dieser Art nur begrenzte Aussagekraft.
Bemerkenswert ist, dass acht der zehn Finalisten nicht auf Englisch singen. Die lange Zeit als Erfolgsgarant geltende Weltsprache scheint ihren Status als bevorzugte Wahl für den Eurovision Song Contest (ESC) eingebüßt zu haben. JJ setzt dagegen weiterhin auf englische Lyrics und präsentiert mit „Wasted Love“ eine international ausgerichtete Pop-Oper.
Eine statistische Auswertung der letzten 15 Jahre zeigt einen deutlichen Trend: Der Anteil nicht-englischer Songs unter den Top-10-Platzierungen stieg von 23% im Zeitraum 2010-2015 auf beachtliche 47% zwischen 2020 und 2025. Die Trendwende begann besonders markant im Jahr 2021, als die italienische Rockband Måneskin mit ihrem Beitrag in der Landessprache den Wettbewerb gewann. Auch die Schweizer Siegerin des Vorjahres 2024 setzte auf ihre Muttersprache statt auf Englisch.
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Österreichs Chancen
Dennoch stehen die Chancen für Österreichs Finaleinzug gut. In den sozialen Medien wächst JJs Anhängerschaft rapide. Besonders nach der Veröffentlichung erster Probenbilder und im Vorfeld des Halbfinales erhielt der Sänger zahlreiche positive Reaktionen. JJ selbst kündigte an, für einen besonders einprägsamen Auftritt sorgen zu wollen. Die genauen Details seiner Überraschung hält er allerdings noch geheim.
Österreich möchte im Wettbewerb für Aufsehen sorgen. Der letzte große Triumph liegt bereits über ein Jahrzehnt zurück – 2014 gewann Conchita Wurst mit dem englischsprachigen „Rise Like a Phoenix“. Anders als der aktuelle Trend vermuten lässt, setzte Österreich damals erfolgreich auf die englische Sprache. Die kommenden Tage werden zeigen, ob JJ mit seiner Entscheidung, ebenfalls auf Englisch zu singen, gegen den wachsenden Trend zur Landessprache bestehen kann.