330 Jobs weg, eine Stadt unter Schock – und das nur Monate nach der Werksübernahme. Herzogenburg erlebt einen harten Einschnitt.
Nemak, ein international tätiger Hersteller von Leichtbaukomponenten für die Automobilindustrie, hat angekündigt, seinen Standort im niederösterreichischen Herzogenburg innerhalb der kommenden zwölf Monate zu schließen. Davon betroffen sind 330 Beschäftigte. Das Unternehmen begründet den Schritt mit einer anhaltend schwachen Auftragslage: „Angesichts der jüngsten Marktentwicklungen und anhaltend niedriger Produktionsvolumina haben sich die Aussichten für den Betrieb in Herzogenburg verschlechtert, was Nemak dazu veranlasst, die Produktion am Standort bis zum Ende des ersten Quartals 2027 einzustellen.“
Die Abwicklung werde, so das Unternehmen, „in enger Abstimmung mit unseren Kunden“ erfolgen. Den Kunden werde angeboten, die verbleibenden Produkte schrittweise in andere Nemak-Standorte zu verlagern. Nemak sei bestrebt, alle betroffenen Mitarbeitenden bestmöglich zu unterstützen, und werde den Prozess in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Arbeitnehmervertretungen und zuständigen Behörden gestalten.
Schock für Herzogenburg
Dabei hatte Nemak das Werk erst zum Jahreswechsel von GF Casting Solutions übernommen, einem Unternehmen des Schweizer Industriekonzerns Georg Fischer. Herzogenburgs Bürgermeister Christoph Artner (SP) zeigte sich tief betroffen: „Im Februar haben wir noch eine Lehrlingsprämierung gehabt. Hier sind Familien über Generationen beschäftigt gewesen, das trifft uns enorm.“
Artner verwies darauf, dass am Standort in der Wiener Straße noch drei weitere metallverarbeitende Betriebe tätig seien und dort möglicherweise Mitarbeiter unterkommen könnten. Von der Entscheidung selbst hatte die Stadtgemeinde erst durch die offizielle Unternehmensaussendung erfahren. Am Mittwochvormittag folgte noch ein telefonisches Gespräch mit der Geschäftsführung.
Für den Stadtchef lässt sich das Ausmaß der Situation kaum beschönigen: „Hinter dieser Zahl stehen 330 individuelle Schicksale – 330 Menschen und Familien, die nun mit großer Unsicherheit konfrontiert sind, was ihre berufliche Zukunft betrifft, vielfach verbunden mit Existenzängsten.“ Neben dem persönlichen Leid der Betroffenen seien auch die wirtschaftlichen Folgen für die Gesamtregion nicht zu unterschätzen. Der Rückgang der Kaufkraft werde sich unmittelbar auf lokale Unternehmen und die regionale Wirtschaftsstruktur auswirken.
Auch die Gemeindefinanzen geraten unter Druck: „Die Kommunalsteuer, die sich mit 3 % aus der Lohnsumme speist, wird durch den Wegfall dieser Arbeitsplätze deutlich reduziert. Das trifft uns in einer Zeit, in der die Gemeinden ohnehin vor großen finanziellen Herausforderungen stehen“, so Artner. Über die unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen hinaus trägt die Entscheidung nach Einschätzung des Bürgermeisters auch eine symbolische Dimension. Die Metallindustrie ist historisch untrennbar mit der Stadtgeschichte Herzogenburgs verknüpft.
Forderung nach Lösungen
Das vorrangige Ziel müsse nun die rasche Unterstützung der betroffenen Belegschaft sein: „Es braucht rasch abgestimmte Maßnahmen gemeinsam mit den Sozialpartnern, um Perspektiven zu schaffen – sei es durch Übertritte in andere Betriebe, Qualifizierungsangebote oder die Sicherstellung der Lehrlingsausbildung.“ Gleichzeitig stelle sich die Frage, wie es mit dem Betriebsstandort selbst weitergehen soll. Angesichts einer ohnehin im Umbruch befindlichen Branche brauche es tragfähige Zukunftsperspektiven, die nur durch intensive Abstimmungen auf allen Ebenen möglich seien.
Die nächste Hiobsbotschaft für die niederösterreichische Zulieferbranche folgte noch am selben Tag: Bei der Eitek GmbH scheiterte der Sanierungsplan an der Ablehnung durch die Gläubiger – dort sind 319 weitere Arbeitsplätze in Gefahr.